Ein Abschiedsliebesbrief

Ein Abschiedsliebesbrief

Gestern habe ich ein großes Loch in mein Leben gerissen. Per WhatsApp. Ich leide wie ein Tier und komme mir albern vor. Renne bei Aldi durch die Regale und kämpfe mit den Tränen. Verbringe den Tag im Bett und ersticke in Trauer. Für Liebeskummer scheint man nie zu alt zu sein.

Ich hatte gar nicht gemerkt, wie tief er mir gegangen ist. Aber das ist er. Mit Warmherzigkeit, mit Witz, mit Intellekt, mit Respekt, mit Verlässlichkeit. „Ihr habt eine Beziehung!“ hat eine Freundin gerufen, als ich ihr von uns erzählt habe. Nein, das hatten wir nicht. Aber ein bewegtes Jahr lang war er immer auf meiner Seite. Er hat die Latte verdammt hoch gehängt. Und an mir nagt die Frage, ob ich noch mal einen treffen werde, der mich so sieht, wie er mich gesehen hat, so berührt, wie er mich berührt hat.

„Ich habe mir ja Ehrlichkeit auf die Fahne geschrieben und darum möchte ich nicht um den heißen Brei herumreden, auch wenn es mir schwerfällt. Seit wir im Oktober zusammen Muscheln essen waren, habe ich mich zwei Mal mit X getroffen, that’s it. Da ist seit vielen Monaten kein Platz für irgendjemand anderen als für dich. Auf keiner Ebene.

Ich weiß, dass es nicht sonderlich angenehm ist, in Kopf, Herz und Körper von einem Menschen so präsent zu sein, wenn man das gar nicht möchte, aber ich kann es nicht ändern. Ich bin in diesen Dingen langsam und brauche Zeit. Am hartnäckigsten hält sich die Zärtlichkeit. Davon steht hier noch tütenweise für dich rum.

Als ich das letzte Jahr in der Gesamtschau betrachtet habe, ist mir deutlich geworden, dass in dem Maße, wie mein Interesse und Engagement zugenommen haben, deines abgenommen hat. Es ist gut, dass die Kurve so einen klaren Verlauf genommen hat, ich neige sonst dazu, jede Welle zum Anlass für eine Neuinterpretation zu nehmen. Ich erkenne gut mein eigenes Muster darin.

Du hast es mitten durch meine harte Schale hindurch geschafft. Daran ist nichts falsch, ich bin nicht verärgert und du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Es ist schön zu merken, dass mein Herz noch schlägt und was es sich wirklich wünscht. Und es ist schön, dich irgendwo am Rande meines Lebens zu wissen. Ich hoffe, das bleibt so.“