12von12 im August 2017 - auf dem Weg zu meinem Lieblingsort

12von12 im August 2017 – auf dem Weg zu meinem Lieblingsort

Heute ist ein besonderer Tag: Ich fahre für eine Woche weg und lasse meine beiden jüngeren Kinder in der Obhut ihrer großen Schwester.

Ich sollte wohl vorweg sagen, dass ich mich davor gedrückt habe, mit meinen Kindern in den Urlaub zu fahren. Ich bin zwar schon seit fast drei Jahren getrennt, aber erst seit neun Monaten so richtig alleinerziehend und habe mich zeitgleich selbständig gemacht. Das Geld ist knapp, aber vor allem fühlte ich mich überfordert von der Vorstellung, mit meinem 16jährigen Sohn und meiner 9jährigen Tochter wegzufahren. Zumal wir nicht mal ein Auto haben. Was sollte ich mit den beiden anfangen – fern von zu Hause, wo jeder ein eigenes Zimmer und einen eigenen Freundeskreis hat? Unser neues Familienleben hat sich über die letzten Monate gut entwickelt, aber ein Urlaub – das traute ich mir noch nicht zu.

Als eine ebenfalls alleinerziehende Nachbarin neulich erzählte, dass sie mit ihren drei Kindern in den Alpen wandern geht, fühlte ich mich kurz mies, unzulänglich. Sowas wäre toll für uns, gerade jetzt. Aber ich kann eben nur, was ich kann. Und das kann ich gerade nicht. Mein Sohn war gerade drei Wochen mit den Pfadfindern unterwegs, die Kleine ein paar Tage mit ihrem Papa und im Herbst fliegen sie mit ihm in den Süden. Damit kann ich sowieso nicht mithalten.

Und ich? Ohne meine Kinder zu verreisen, das käme mir ungerecht und egoistisch vor. Aber irgendwann muss ich auch mal raus hier, denn wenn ich zu Hause bin, dann arbeite ich auch und eine work-work-balance ist auf Dauer nicht gesund. Als meine Kollegen immer dringlicher fragten, ob ich in den Sommerferien mal wieder bei einem Ausbildungsseminar assistieren könnte, ließ ich mich irgendwann überzeugen, zumindest mal zu fragen, ob meine Große in der Zeit auf ihre Geschwister aufpassen könnte. Und siehe da: Sie kann und sie will!

So habe ich also eine kinderfreie Woche geschenkt bekommen. Der Kühlschrank ist gefüllt, die Wäsche gewaschen, der Müll geleert, gestern waren wir noch wegen einer Kleinigkeit beim Kinderarzt und haben neue Bücher ausgeliehen – ich glaube, es kann nicht mehr allzu viel schief gehen und alle drei freuen sich aufeinander. Für den Notfall wohnt meine Mutter ein paar Häuser weiter und einen Vater haben die Kinder ja auch noch. Ich vertraue also einfach darauf, dass sie an der Herausforderung wachsen werden und freue mich darauf, sieben Tage auf das Vorzüglichste bekocht zu werden, nicht waschen und putzen zu müssen, viele liebe Menschen wiederzusehen und einzutauchen in die magische Atmosphäre eines Tantramassage-Seminares an meinem absoluten Lieblingsort.

Letztes Frühstück vor der Abreise. Mein Sohn schläft noch. Ich bin aufgeregt und habe schlecht geschlafen. Lampenfieber. Es haben sich 26 TeilnehmerInnen angemeldet und ich bin einer von den Gurus. Das ist immer noch ungewohnt.

Wir verarzten ihren Zeh und ich lese noch etwas vor. Die Große schreibt, dass sie gleich kommt und ihren Freund mitbringt. Das wird schon.

Meine beiden Kinder und die Katze verabschieden mich, dann gehe ich runter an die Straße und warte auf mein Taxi, denn der Bus fährt am Wochenende nicht.

Der Zug steht schon auf dem Gleis.

Das ist jetzt lustig. Also nicht der Regen, davon hatten wir diesen Sommer schon viel zu viel. Aber die Werbung. Ich denke daran, wie oft wir uns schon geschrieben haben, wenn einer von uns in einem Zug saß und schicke ihm schnell eine Nachricht.

Umsteigen auf dem Hauptbahnhof. Aber mein Zug fährt von einem anderen Gleisabschnitt. Zum Glück merke ich das noch rechtzeitig.

Merkt ihr was? Ich habe ein neues Handy mit einer viel besseren Kamera.

Gleich bin ich am Ziel.

Langsam könnte es aufhören zu regnen.

Am Bahnhof warte ich fast eine Stunde auf den Kollegen, der im Stau steht. Dumm gelaufen.

Und dann bin ich da.

Aber sowas von.

Und mitten drin.

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