Ein Blick zurück in Liebe und meine Wünsche für 2017

Ein Blick zurück in Liebe und meine Wünsche für 2017

Meine Kinder verbringen Silvester weitgehend anderswo und ich habe weder Luftschlangen noch Sekt besorgt. Auf Böller reagiere ich mit Panik, außerdem ist es so nebelig, dass das Wasser von den Bäumen tropft. Es wird also ein ruhiger Abend. Eben habe ich mein Menü vorbereitet, gleich werde ich in die Badewanne steigen, um mich von allem zu reinigen, was ich nicht mit ins neue Jahr nehmen möchte und gerade jetzt kann ich mir nichts besseres vorstellen, als euch einzuladen zu einer spontanen und unvollständigen Rück- und Vorschau:

Familie

Mein Familienleben ist das Feld, auf dem ich mich gerade am unsichersten fühle. Ich bin Einzelkind, meine Kindheit war von emotionaler Ausbeutung und Einsamkeit geprägt und ich merke immer wieder, dass mir einfach ein gutes Vorbild dafür fehlt, was für eine Mutter ich sein möchte und wie ich eine inspirierende, nährende Atmosphäre für meine Kinder schaffen kann, in der sie zu selbstbewussten, glücklichen Menschen heranwachsen. Das letzte Jahr hat viele Veränderungen für sie gebracht und durch den Auszug ihres Vaters ist hier viel Raum frei geworden. Das ist gut, denn seine Unberechenbarkeit, Grobheit und Respektlosigkeit waren nicht nur für mich, sondern auch für sie eine Belastung. Doch dieser freie Raum will auch gefüllt sein und ich wünsche mir, dass mir das gelingt und dass ich ihnen eine verlässliche Leitwölfin sein werde.

Ebenfalls in diese Rubrik gehören meine Mutter und meine Großmutter. Ich wünsche uns allen, dass meine Großmutter in diesem Jahr friedlich von uns geht. Sie ist im August 99 Jahre alt geworden und auch wenn sich jedermanns Blick verklärt, der von unserer Vier-Generationen-Idylle hört, so ist der Einsatz meiner Mutter doch schier übermenschlich und die Last der Verantwortung, die dadurch auch auf meinen Schultern liegt, gewaltig. Das kann wohl nur nachvollziehen, wer schon selber einen nahen Angehörigen bis zum Ende gepflegt hat. Gerade vor einer Stunde bin ich von meinem Kaffee aufgesprungen und ein paar Häuser weiter geeilt, um meiner Mutter zu helfen, meine Oma wieder auf die Beine zu bringen, nachdem sie ihr aus den Armen gerutscht war. Meine Mutter ist selber über 70 und ich wünsche ihr von Herzen, dass noch ein paar unbeschwertere Jahre vor ihr liegen.

Haus und Hof

Ich wohne und arbeite jetzt mit meinen beiden Kindern auf 150qm. Das ist nicht nur Luxus, sondern auch massenhaft Arbeit. Meine Arbeitsräume habe ich im Dezember tipptopp renoviert und eingerichtet, jetzt brauche ich dasselbe nur noch mit dem Rest zu machen. Also mit 110qm Wohnfläche, dem vollgestopften Dachboden und Schuppen und dem zugewucherten Garten. *hier bitte hysterisches Lachen einfügen*

Wenn ich erst mal anfange, dann gerate ich geradezu in einen Putz- und Aufräumwahn. Als ich zum ersten Mal seit dem Hausbau vor 11 Jahren wieder Kasein-Marmormehlfarbe angerührt, mit der Rolle auf den lehmverputzten Wänden verteilt und dabei den Geruch von Quark und Kreide eingeatmet habe, da hätte ich gerne gleich noch den Flur und die Küche und die Treppe und alles andere frisch gestrichen. Als ich den Sperrmüll bestellt und ein paar Gegenstände runter an die Straße geschleppt habe, da hätte ich gerne einen Container vor der Tür gehabt, in den ich alles schmeißen kann, was hier seit Jahren unbenutzt herumsteht und was ich auf der Suche nach einer sinnvollen Verwendung von einer Ecke in die anderen räume, denn ich bin als Kriegskind zur Sparsamkeit erzogen worden und es fällt mir schwer, Dinge einfach wegzuwerfen.

Ich wünsche mir also, dass ich im nächsten Jahr die Kraft, das Geld und hier und da auch die nötige Unterstützung haben werde, um mein schönes Haus auf diesem traumhaften Grundstück zu einem Ort zu machen, an dem meine Kinder und ich uns wohlfühlen und gerne Besuch empfangen. Ein liebevoll gepflegtes und individuell gestaltetes Heim, in dem alles seinen Platz hat, was wir zum Leben brauchen.

Erfolg

Ich bin dabei, das kleine Mädchen in mir zu heilen, das so schnell Angst hat, etwas falsch gemacht zu haben, dass sich so schnell einreden lässt, dumm, unfähig und zu nichts nütze zu sein. Ich habe dieses Jahr so viel Selbstwirksamkeit erlebt, dass ihr klar sein kann, dass sie klug und fähig ist, dass sie weiß, was gut für sie ist und dass sie alles schaffen kann, was sie sich vornimmt.

Indem ich mir in meinem Haus Räume für meine Arbeit geschaffen habe, habe ich jetzt ideale Bedingungen. Ich bin meine eigene Herrin, ich kann die Klientinnen und Klienten annehmen, mit denen ich gerne arbeiten möchte, ich kann meine Arbeit in mein Familienleben integrieren und nach außen so darstellen, wie es für mich stimmig ist und ich kann meine eigene Mischung aus Körper- und therapeutischer Arbeit finden. Ich wünsche mir, dass das im kommenden Jahr einfach so weitergeht, dass ich meine Tätigkeit auf solide Füße stellen und gut davon leben kann. Ich wünsche mir, dass meine Kreise langsam immer größer werden, dass mein Zutrauen und meine Kompetenzen wachsen, dass ich mich gut beraten lasse und mir neue Felder erschließe. Ich wünsche mir auch, dass ich unbequeme Dinge entschlossen angehe, statt sie vor mir her zu schieben.

Schreiben

Schreiben tut mir gut. Manchmal möchte ich am liebsten nur noch schreiben und dafür tue ich es viel zu selten. Es gibt wenige Dinge, die mich so glücklich machen wie ein Schreibimpuls, dem ich folgen kann, der eine Kettenreaktion auslöst, die mich wie im Rausch bis in die Nacht hinein hochkonzentriert arbeiten lässt. Ein treffendes Wort, das aus der Tiefe kommt, eine Formulierung, die sitzt wie ein Maßanzug, eine gelungene Schilderung, die mir wie in Gold gegossen vom Papier entgegen strahlt, lösen in mir eine Befriedigung und einen Stolz aus, der ohne gleichen ist.

Außerdem bekomme ich durch das Schreiben das, womit ich mich auf anderem Wege oft nicht gut versorgen kann: Aufmerksamkeit, Kontakt, Bestätigung, Resonanz. Und von all dem bekomme ich viel mehr, wenn ich unter meinem richtigen Namen schreibe, statt unter Pseudonym. Ich möchte gerne mehr unter meinem Namen schreiben und am liebsten möchte ich ein Buch schreiben. Diese Vorstellung ist noch sehr neu und aufregend für mich, ich habe keine Erfahrung damit und brauche Menschen, die mir zur Seite stehen und mich beraten.
So, das steht jetzt hier, liebes Universum. Ich hoffe, du liest mit!

Privatleben

2016 war ein Jahr, in dem ich richtig viel tollen Sex hatte. Es gab noch kein Jahr in meinem Leben, in dem ich mit so vielen Männern Sex hatte und es waren viele besonders schöne Erlebnisse dabei. Sie waren schön, weil der Kontakt stimmig und der Rahmen klar war und weil wir beide mit offenem Herzen dabei waren. Wie ich herausgefunden habe, sind das die wichtigsten Eckpfeiler für mich, damit steht und fällt für mich alles.

Die einzige Erfahrung, die im Abgang schal geschmeckt und mir noch lange nachgehangen hat, habe ich ausgerechnet mit einem Mann gemacht, den ich über Parship kennengelernt habe, wo also eine Beziehungsoption im Raum stand. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum das so war und bin zu dem Schluss gekommen, dass es kein Zufall war. Wenn ich mich über das Erotik-Portal verabrede, dann will ich einen spannenden Mann kennenlernen, mit ihm einen interessanten, amüsanten Abend verbringen und – wenn alles passt – mit ihm Sex haben. Alles andere ist egal. Ich gehe an diese Treffen inzwischen sehr selbstbewusst heran, denn in Bezug auf Sex fühle ich mich wie ein Jackpot. Ich weiß, was ich will und ich weiß, dass ich es bekommen kann.

Wenn die Überschrift „Beziehung“ lautet, sieht es anders aus. Da fühle ich mich wie ein Mängelexemplar, reichlich angeschlagen und nicht kompatibel mit den Anforderungen des Marktes. Wer will schon mit einer spleenigen, mittelalten Sextherapeutin und ihren minderjährigen Kindern in einer Kommune auf dem Land leben? Bei einem romantischen Date, da sitzt die selbstsichere femme fatale nicht am Steuer sondern auf dem Rücksitz, da macht sie Abstriche und Kompromisse, ohne zu wissen wofür, da rechtfertigt sie Dinge, über die sie sonst kein Wort verliert, da sind ihre Eckpfeiler plötzlich nicht mehr so wichtig, da macht sie immer weiter, obwohl nichts stimmt und fragt sich erst hinterher, warum.

Da habe ich also wieder mal was gelernt über mich und einem Teil von mir in die Augen geschaut, den ich so klar noch nicht gesehen hatte.

Heute Morgen empfing ich eine lange Sprachnachricht von einer Freundin. Sie schilderte mir sechs Minuten lang euphorisch, wie toll sich ihr Sexleben seit meinem letzten Besuch entwickelt hätte und dass sie ohne mich niemals dahin gekommen wäre, offen zu ihren sexuellen Bedürfnissen zu stehen und für deren Erfüllung zu sorgen und wie gut ihr das tun würde. Ich hatte Tränen in den Augen, so sehr habe ich mich gefreut. Darüber, dass es ihr gut geht und darüber, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe.

Und dann gab es da eine leise Stimme in mir, die sich dasselbe gewünscht hat: Regelmäßig guter Sex. Es ist schön, meinen Marktwert zu kennen und eine gewisse Dating-Routine zu haben, aber ich möchte nicht nur von der Hand in den Mund leben und immer wieder bei Null anfangen. Ich habe mich in den letzten Monaten zwei mal mit einem Mann getroffen, der in meiner Stadt lebt und eine offene Beziehung führt. Er ist emotional und körperlich versorgt (was ich in diesem Maß nicht bieten könnte), er ist mein Typ, wir haben nicht nur beim Sex viel Spaß miteinander, die Absprachen mit seiner Freundin funktionieren und ich spüre, dass es wirklich um mich geht und nicht um ein Defizit, das ausgeglichen werden soll. Sowas wünsche ich mir öfter. Ich hätte gerne noch zwei oder drei solche Liebhaber (übrigens ein sehr schönes Wort, finde ich) in meiner Nähe, mit denen ich mich regelmäßig treffen kann. Keine Ahnung, wie ich das zeitlich unterbringen soll, aber schön wäre es trotzdem, deshalb wünsche ich es mir einfach mal.

Soviel zum Jahreswechsel. Ich lasse mir jetzt ein Bad ein und danach tische ich mir ein kleines Silvestermenü auf.

Euch wünsche ich ein Jahr 2017 ganz nach euren Wünschen. Gestaltet es so, wie es zu euch passt, wie ihr euch damit wohlfühlt. Tut das, was ihr liebt und tut es aus ganzem Herzen, damit ihr ein Geschenk seid für das neue Jahr und damit das neue Jahr euch beschenken kann!