Halbtraum

Halbtraum

Ich wache davon auf, dass eine Fliege auf meiner Hand herumkrabbelt. Ich verscheuche sie und sie lässt sich erneut auf mir nieder.

Eine Sternschnuppe stürzt vom nachtschwarzen Himmel, Teelichter glitzern auf einem silbernen Tablett, die Gössel schnattern leise und aus dem Haus kommt die Musik von Café del Mar. Ich kann meinen Garten riechen.

Ich taste nach dem Handy und sehe, dass es fast zehn Uhr ist.

Helle Wolkenschleier ziehen auf und ein leises Rauschen nähert sich. Er nimmt das Tablett mit den leuchtenden Kerzen und geht hinter mir die dunkle Treppe hinab.

Ich ziehe mir ein Kissen über die Augen und sinke in leichten Schlaf.

Er schenkt mir nach und reicht mir das kühle Glas. Ich sehe ihm in die Augen und streiche beiläufig über seine Finger, als ich es entgegennehme. Seine Lippen zucken, meine Haut glüht.

Es kitzelt auf meiner Wange. Ich verscheuche die Fliege und überlege, was für ein Tag heute ist.

Wir stehen draußen, meine Brust berührt seinen Arm. Er dreht sich zu mir und fragt: „Was steht bei dir eigentlich unter ‚unbedingt‘?“ „Küssen“ sage ich. Er lächelt mich an und legt seine Hände um meine Taille. Sein Mund ist sanft und einladend.

Ich drehe mich auf die andere Seite. Die Stelle unter meinem Knie ist feucht, ich wechsele die Lage.

Er kniet zu meinen Füßen, ich öffne meine Beine und er knöpft mir die Jeans auf. Seine Hand liegt warm auf meinem Bauch, mein Atem geht schwer.

Mein Kopf tut weh, ich weiß nicht warum.

Ich stehe vor meinem Schlafzimmer und öffne die Tür für ihn.

Die Fliege nervt und lässt mich nicht schlafen.

Wir rollen übereinander und untereinander, erkunden einander ausgiebig, schwelgerisch, in einem ruhigen, harmonischen Rhythmus. Er ist köstlich.

Ich will nicht aufwachen, ich will weiterträumen.

Er umfasst meine Hüften, seine Zunge ist weich und zärtlich, ich schwelle an, zittere und ergieße mich auf ihn.

Wenn nur diese Fliege nicht wäre!

Er dringt langsam in mich ein, in meinen Körper, in meine Augen, er hält mich, er küsst mich, er flüstert meinen Namen.

Mein Schoss ist warm und feucht. Ich räkele mich und drücke meine Nase in die weiche Haut an der Innenseite meines Oberarmes.

Ich liege mit leicht geöffnetem Mund auf dem Bauch, ein Kissen unter meinem Becken, und spüre, wie seine feuchten Fingerkuppen bedächtig über meinen Po und Rücken kreisen, als würden sie ein Aquarell malen.

Ich öffne die Augen einen Spalt. Die Sonne scheint.

Die Katze kratzt an der Terrassentür. Ich stehe auf und lasse sie herein. Es hat geregnet. Kühle Luft streicht über meine nackte Haut, der Himmel wird schon hell und die Sterne sind verblasst. Er geht ins Bad.

Ich stehe auf, suche im Badezimmerschrank nach einer Kopfschmerztablette und nehme sie mit viel Wasser aus dem Zahnputzbecher. Auf dem Waschtisch liegt ein benutztes Handtuch.

Wir stehen an der Tür zum Garten und küssen uns, er schmeckt nach Pfefferminz. Dann verschwindet er zwischen den Büschen.

Ich kehre zurück ins Schlafzimmer und setze mich aufs Bett. Das Laken ist zerwühlt und feucht. Ich gehe die Treppe runter, um mir Kaffee zu machen. Neben dem Sofa liegt meine Jeans, in der Küche steht ein Tablett mit herunter gebrannten Teelichtern und leeren Weingläsern. Während das Wasser kocht, lasse ich Café del Mar laufen und wiege mich in den Hüften.

Mein Handy vibriert. „Ich könnte dich schon wieder vögeln.“ schreibt er.