12 von 12 im Juli 2016 - Auf und Ab

12 von 12 im Juli 2016 – Auf und Ab

Nach einer unruhigen Nacht wache ich zerschlagen auf und als mir wieder einfällt, wie frustrierend der gestrige Tag war, fällt es mir noch schwerer, mich aus dem Bett zu rappeln. Zum Glück stehen die Kinder klaglos auf und ich beginne mit der morgendlichen Routine. Mein Ex schreibt mir, dass er morgen das Auto braucht. Das ist blöd, denn ich habe vormittags ein Date und ohne Auto komme ich da nicht hin. Ich verschiebe dieses Problem auf später.

Ich schmiere Pausenbrote und stecke meiner Tochter Essensgeld ein und ein paar Knöpfe für den Handarbeitsunterricht. Auf unserer Bahnstecke ist Schienenersatzverkehr, daher müssen meine Schulkinder noch früher aus dem Haus als sonst, um rechtzeitig mit dem Fahrrad an der Station zu sein. Der große Bruder trägt die Geigentasche seiner Schwester über der Schulter und dazu noch eine Mappe für ihre Aquarelle, denn das Schuljahr neigt sich dem Ende zu.

Ich räume die Küche auf, dann gehe ich nach oben und nehme die Wäsche ab. Im Badezimmer kommen mir die Tränen. Ich fühle mich kraftlos und leer. Mir fällt ein, dass heute 12von12 ist und ich mache das erste Foto, obwohl ich noch nicht weiß, ob ich es schaffe teilzunehmen. Ich komme auf die Idee, es zu twittern.

Ich mache mir einen Kaffee und erkläre einem Freund, was 12von12 ist.

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Ich schreibe meinem Ex, dass ich mich heute nicht in der Lage fühle, das Projekt fortzusetzen, mit dem ich gestern beschäftigt war und er bietet an, es zu übernehmen. Es geht um den Schulwechsel von unserem Sohn. Ein ehemaliger Stammleser schreibt mich via Twitter an. Er fand meinen letzten Post gut und sagt, er sei nun wieder angesteckt. Mein Tweet wird zweimal retweetet. Zwischen den Wolken lugt die Sonne hervor.

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Ich habe jetzt doch Lust, 12von12 mitzumachen und hole die Schokolade, die mir eine Klientin geschenkt hat, aus dem Versteck in meinem Kleiderschrank.

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Ich schreibe eine Weile, dann fängt es an zu regnen. Ich werde sehr müde. Ich kommuniziere mit dem Couchsurfer, der übermorgen kommt, finde eine Lösung für das Auto-Problem und mache Schreibtischkram am Eßtisch. Ein Treffen wegen eines Buchprojektes wird verschoben. Dann kommt eine Mail von einer Frau, die sich für meine Arbeit interessiert. Ich freue mich sehr und verabrede einen Termin für ein Telefonat.

Um 12.30 Uhr kommt mein Sohn nach Hause, obwohl er heute eigentlich bis 16 Uhr Unterricht hat. Die Katze ist genauso überrascht wie ich. Er sagt, ein Lehrer sei nicht gekommen, weil er die Klasse nicht mehr unterrichten wolle und zwei Fächer seien ausgefallen, weil Abiturprüfungen sind. Aha.

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Noch einen Kaffee und dann ran an die Pressemitteilung, die schon seit einer Woche in meiner Textverarbeitung schmort.

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Als ich dabei bin, sie zu verschicken, kommt meine große Tochter vorbei. Wir reden auch über den Schulwechsel von ihrem Bruder. Das Gespräch wird emotional. Sie weint. Wir haben da eine Geschichte miteinander. (Symbolbild)

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Ich muss los, um die Kleine von der Bahn abzuholen. Was zieht man an, wenn es warm und nass ist? Flipflops!

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Mein Weg führt mich durch ein Wäldchen und am Bauernhof vorbei und ich bleibe kurz stehen, um durchzuatmen.

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Ich komme etwas zu spät zum Bahnhof, aber sie nimmt es mir nicht übel. Sie hat gute Laune, weil sie von ihrer Geigenlehrerin ein neues Notenheft bekommen hat, zu dem eine CD gehört.

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Vom Fahrradschuppen geht sie direkt zu ihrer besten Freundin, die zwei Häuser weiter wohnt und ich besuche meine Mutter und meine Oma. Dienstag ist immer unser jour fix mit Kaffee und Keksen und einem Plausch. Meine Oma guckt mich zur Begrüßung lange an, dann fragt sie meine Mutter „Sag mal, wer ist das?“. Es ist das erste Mal, dass sie mich nicht erkennt.

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Auf dem Rückweg bringe ich für meine Mutter noch etwas Grünzeug zum Kompost und gehe dann zurück nach Hause. Nanu? Das neue Trampolin, für das die Nachbarskinder zusammengelegt haben, ist leer? Ah, jetzt fällt es mir ein: Sie sehen heute zusammen die Aufzeichung des Endspiels der EM vom Sonntag.

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So, das war’s! Ich habe 12 Fotos beisammen und bin heute hier mal eine der Ersten. Von außen gesehen war nicht viel los, aber in mir drin dafür um so mehr.

Und nicht vergessen: Heute Abend beginnt die neue Staffel von Make love!