Winterliebe

Winterliebe

Es ist vorbei. Nein, nicht die Liebe, die hat überlebt. Aber das, was ich dann doch irgendwann „Beziehung“ genannt habe, zu ihm, den ich irgendwann „meinen Freund“ zu nennen begonnen habe. Ich habe mich bemüht, diese Worte beiläufig zu sagen, sie im Fluss meiner Sprache mitschwimmen zu lassen, so wie ich versucht habe, souverän zu wirken, wenn ich von Leuten auf ihn angesprochen wurde, die uns zusammen gesehen oder von ihm gehört hatten.

Ich wohne mit meinen Kindern und meinem Ex-Mann zusammen, in einer Gemeinschaft von 250 Menschen, zu der auch meine Mutter und meine Großmutter gehören. Da ist der Blick von außen allgegenwärtig und jeder hat eine Meinung, ob er sie sagt oder nicht. Da ist nicht viel Platz für Zwischentöne, da gibt es nur ganz oder gar nicht.

Als die Tage wieder länger waren als die Nächte, da wurden die Schatten zu groß, zu groß für mich. Wir haben beide unser Bestes gegeben, um diese Liebe zu leben, aber letztlich hatten die Jahre, die wir alleine verbracht hatten mehr Gewicht als die Stunden, die wir geteilt haben. Was bleibt, sind ein paar Kleinodien auf meiner Fensterbank, die Jacke, die er mir geliehen und nicht zurückgewollt hat und die Erinnerung an Nächte voller Liebe und Leidenschaft im Überfluss. So ganz und gar und durch und durch geliebt worden zu sein, das werde ich nie vergessen, das war den Preis wert.