Ist da Liebe drin?

Ist da Liebe drin?

Ich wollte nur seine Berührung und bekam seine Hand.
Ich wollte nur seine Stimme und bekam sein Wort.
Ich wollte nur den Augenblick und bekam die Zeitlosigkeit.

Jetzt habe ich alles und sie hat nichts.

Ich wollte das nicht. Ich dachte auch, ich könnte das nicht. Nicht mehr. Der Herbst hatte so weh getan, dass mir der Frühling gestohlen bleiben konnte.

Da war es gut, dass es sie gab. Sie war das, was ich nicht für ihn sein konnte und ich fühlte mich sicher, mit ihm und ohne ihn. Ich wollte niemanden verletzten und ich wollte nicht verletzt werden. Er sagte, es sei alles geklärt und ich dachte es reicht, wenn ich mich an die Regeln halte. Aber seine Regeln waren nicht ihre Regeln. Bevor ich gemerkt habe, dass es angefängt, war ich schon mittendrin und natürlich war es so wie immer, denn obwohl es jedesmal anders ist, ist es auch jedesmal gleich.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass das ein Fehler war. Dass man das nicht tut: Einem Mann so nah kommen, der mit einer anderen Frau zusammen ist. Dann könnte ich mich jetzt moralisch rein und überlegen fühlen. Aber das bin ich nicht. Ich tue manchmal das, was sich richtig anfühlt, was mein Herz und mein Körper wollen. Meine Wahrheit kommt nicht immer aus dem Kopf.

Ich hätte ihr das alles gerne gesagt, als wir uns getroffen haben, aber ihr Urteil stand schon fest. Der Beginn einer Beziehung ist wie eine Ouvertüre. Unsere klingt etwas schief. Damit lebe ich jetzt. Und ich lebe damit, dass sie auch dies hier liest. Nichts, was ich schreiben könnte, würde es besser machen und ich weiss nicht, worüber ich schweigen müsste, um ihr nicht noch mehr weh zu tun.

Ich bekomme zu viel, er bekommt zu wenig und sie bekommt gar nichts. Das ist nicht gerecht, das ist nicht schön und das müsste nicht so sein. Liebe ist nicht entweder/ oder. Liebe ist alles.

 


In den letzten Wochen sind einige Texte zu diesem Thema geschrieben worden. Sie sind ganz unterschiedlich, aber sie handeln alle von demselben Dilemma: Unsere Gefühle stossen an die Grenzen dessen, was in unserer Gesellschaft anerkannt ist. Die Lösungen sind individuell, aber das Problem ist es nicht:

Entschuldigen Sie, ich liebe Ihren Mann!

Was man kennt

Zur grossen Liebe gehören mehr als zwei