There is a crack in everything

Der Wind heult um das Haus, er wirft sich gegen die weihnachtlich geschmückten Fenster und zerrt an der Lichterkette im Garten. Ich sitze am Küchentisch, esse einen Teller Suppe und überlege, wann es angefangen hat. Wann das hier aufgehört hat, eine Familie zu sein.

Meine kleine Tochter schläft schon, sie hat den Tag bei einer Familie ein paar Häuser weiter verbracht. Dort wohnen Mutter, Vater und zwei Kinder, mit denen sie befreundet ist. Sie haben Kekse gebacken und Papiersterne ausgeschnitten. Mein Sohn ist seit drei Wochen krank, er kommt kaum aus seinem Zimmer heraus. Wenn ich ihm den Rücken kraule, lächelt er, aber runter kommen und sich auf das Sofa legen möchte er nicht. Meine große Tochter will nicht zum Adventstee kommen. Sie wirft mir vor, ich würde mich nur noch um mich selber kümmern. Meine Mutter will nicht mit uns Weihnachten feiern, weil die Stimmung zwischen meinem Ex und mir so angespannt sei (womit sie Recht hat) und meine Oma schafft den Weg nicht mehr.

Und dann ist da noch der Mann, den ich liebe. Er ist weit weg, obwohl er mir gerne viel näher wäre. Aber in meinem Leben ist nicht genug Platz für ihn. Es ist zu voll darin und zu eng.

Alle scheinen zu finden, dass ich Schuld bin. Ich bin erschöpft und ratlos. Ich mache alles und doch ist es nicht genug. Es ist nie genug. Ich drehe mich hin und her, irgendwo muss eine Lösung sein, doch ich sehe sie nicht. Ich habe wohl immer noch nicht kapiert, wie das mit dem Leben funktioniert. Ich gucke mir an, wie meine Nachbarinnen es machen. Wie sie ihr Leben leben mit ihren Kindern, mit ihren Männern und Ex-Männern und mit ihrer Arbeit. Bei mir ist alles anders. Kompliziert. Festgefahren. Als würde ich mit angezogener Handbremse leben. Bin ich nicht effizient genug? Nicht konsequent genug? Kümmere ich mich zu wenig oder kümmere ich mich zu viel?

Ich schichte die Plätzchen, die ich heute alleine gebacken habe, sorgfältig zwischen Lagen von dünnem Papier in die Keksdosen. Es wird schon jemand kommen und sie essen. Es ist ja noch Zeit bis Weihnachten.

There is a crack, a crack in everything
That’s how the light gets in.

Leonard Cohen