Mondblüten

Mondblüten

Es ist viertel nach sieben, die Kinder sind gerade aus dem Haus. Ich stehe an der Küchentür und sehe zu, wie der rosafarbene Streifen am Horizont sich langsam orangerot färbt. Der Garten ist ein Aquarell in grau und weiss, der Himmel wolkenlos, die letzten Sterne verblassen. Als ich mich umdrehe, sehe ich durch die grossen Fenster am Essplatz den vollen Mond. Er leuchtet kühl durch die kahlen Bäume auf der Allee. So viel Schönheit, nur für mich.

Ich denke viel an dich. Du bist weit weg, aber ich bin nicht traurig. Du bist ja immer bei mir. „Ich bin nicht verliebt.“ hast du gesagt, „Verliebtheit geht vorbei.“. Nein, wir sind nicht verliebt. Wir sind in Liebe.

Es ist alles so leicht. Mal stehen wir von einer Sekunde auf die andere in Flammen und mal finden wir Ruhe aneinander. Mal kommen die Worte wie von selbst und mal brauchen wir keine Worte. Es gibt keine Fragen und keine Antworten, keinen Haken und keine Lösung.
Es ist wie es ist und wir lassen es sein.

Ich schlafe noch immer auf dem Laken, auf dem wir uns die Nächte geteilt haben. Die letzte werde ich nie vergessen. Wir haben tief und fest geschlafen. Am Morgen bin ich aufgewacht, wie ich eingeschlafen bin: in deinen Armen. Wir waren eins. Die ganze Nacht.