Gute Absichten 2014 – August

Kurz vor Ende der Sommerferien sind wir mit L. und M. in ein Landschulheim gefahren, um fünf Tage mit 100 anderen Menschen zu verbringen. Es war ein Treffen des Männerbewegungs-Netzwerkes, dem mein Mann seit zwei Jahren angehört. Das klingt sperrig und dröge, aber das war es nicht. Es war eine ausgefüllte, intensive, erlebnisreiche Zeit. Direkt danach kamen zwei Leute aus meiner Ausbildungsgruppe zu Besuch. Sie sind zwei Tage und Nächte geblieben. Als sie wieder weg waren kam C., die ich seit ihrer Rückkehr aus Ghana noch nicht gesehen hatte, außerdem haben wir den 97. Geburtstag meiner Großmutter gefeiert. Am nächsten Tag war Schulanfang und abends kam P. von ihrem zehnwöchigen Portugalaufenthalt zurück. So waren also alle Geschwister wieder zusammen, als letzte Woche M., die Jüngste, eingeschult wurde. Am Wochenende haben wir dann P. auf das Rehagestüt gebracht, wo sie das nächste Jahr über ein Praktikum machen wird. Ich habe jetzt also eine neue Familienkonstellation: Zwei Schulkinder und eine erwachsene Tochter, die vielleicht mal am Wochenende zu Besuch kommt. Vorerst hat M. nur zweieinhalb Stunden Schule am Tag, von neuen Freiräumen für mich kann also keine Rede sein, aber das wird sich nach den Herbstferien ändern.

Die Weintrauben auf der Pergola über der Südterrasse werden wohl nicht mehr reif. Der Sommer hat sich ganz plötzlich aus dem Staub gemacht. Wir sammeln schon die ersten Kastanien und Haselnüsse und die langen Ranken der Brombeeren neigen sich tief vor dem Fenster des Arbeitszimmer. Bald werde ich Brombeer-Apfel-Pie machen können. Auf dem Tisch steht ein Tablett mit Kräutern zum Trocknen und daneben die Sonnenblume, die M. von ihrer Klassenlehrerin zur Einschulung bekommen hat. Morgens, wenn wir durch den feuchten Garten zum Auto gehen, können wir unseren Atem sehen und die taufrischen Spinnweben an den Rändern der Beete. Dünne Nebelstreifen schweben über den Niederungen und wenn die Sonne durchkommt, bringt sie die Farben zum Lächeln, als würden sie zum Abschied noch einmal „auf Wiedersehen!“ sagen. Der Herbst war früher immer meine liebste Jahreszeit, doch jetzt fällt es mir von Jahr zu Jahr schwerer, den Sommer dahinziehen zu lassen. Ich setze immer so große Hoffnungen in ihn, als wäre durch ihn alles einfacher. Und ein bisschen ist das ja auch so. Es fällt mir leichter, aufzustehen, wenn es hell ist und ich kann die Abende besser genießen, wenn sie länger sind. In der kalten Jahreszeit muss ich mich nicht nur gegen die Dunkelheit in meinem Inneren wappnen, sondern auch noch gegen die draußen.

In den letzten beiden Jahren bin ich um diese Zeit in die Finsternis gestürzt. Ich bin zuversichtlich, dass das dieses Mal nicht passiert. Am 26.8. war mein einjähriges Blogjubiläum und in zwei Wochen beginnt das nächste Modul meiner Ausbildung. Es hat sich viel verändert im letzten Jahr, vor allem in mir.

Habe ich mir in diesem Monat Raum genommen für …

Etwas Schönes?

Als wir bei dem Treffen waren, habe ich mir viel Raum für Begegnungen genommen, auch mit Männern. In den letzten Jahren habe ich viele fruchtbare Verbindungen zu Frauen gehabt, mit den Männern wurde es meistens schnell schwierig. Jetzt fühle ich mich bereit für erwachsene, klare Kontakte zum anderen Geschlecht. In der Massageausbildung habe ich viel über Chakren und die Energien im Körper gelernt und ich kann jetzt vieles spüren, was ich früher nicht spüren bzw. mir nicht bewusst machen konnte. Das gibt mir ganz neue Möglichkeiten, Menschen wahrzunehmen und mit ihnen in Kontakt zu treten. Bei dem Treffen habe ich dafür ein großes Erprobungsfeld gefunden und ich habe es genutzt. Ich konnte sehr schnell sehr gut in Kontakt kommen und dann auch wieder aus dem Kontakt rausgehen, ohne irgendwo „hängenzubleiben“. Mir ist vorgeschlagen worden, nächstes Jahr dort einen Workshop mit einer kleinen Einführung in die Tantramassage zu geben. Ich denke darüber nach.

Ich habe zugesagt, als T., eine Frau aus meiner Ausbildungsgruppe, die ich sehr mag, gefragt hat, ob sie mit ihrem Freund und ihrem Sohn für ein paar Tage zu Besuch kommen könne, um mich zu massieren und mit mir im Meer zu baden, obwohl es zeitlich sehr eng war und ich wusste, dass es für meinen Mann schwierig sein würde, mich zusammen mit Menschen zu erleben, die mir durch die Ausbildung körperlich sehr nahe kommen. Aber ich wollte gerne einen Schritt dahin tun, das Leben, das ich außerhalb meiner Familie führe, mit dem hier zu Hause zu verbinden und ich wollte gerne Zeit mit den beiden verbringen. Am Sonntagabend kamen wir aus dem Kurzurlaub zurück, haben die Taschen mit den dreckigen Klamotten ins Haus getragen, die Kinder ins Bett gebracht und geschlafen. Am nächsten Morgen rief ich nach dem Aufwachen T. an, um zu fragen, wann sie denn losfahren würde, aber siehe da – sie stand schon auf dem Parkplatz! Sie hatte nur vier Stunden geschlafen und war die Nacht durchgefahren. Damit hatte sich das leidige Thema „Es-kommt-Besuch-also-muss-ich-aufräumen-und-putzen!“ auch schon erledigt. Kurz darauf klingelte es und sie stand mit einem Arm voller Bettzeug und einer großen Schale Tomaten aus ihrem Garten vor der Tür. Ich habe mich wie Bolle gefreut und war ganz aus dem Häuschen.

Es war regnerisch und kalt, daher haben wir den Tag mit Essen, Reden, Kartenspielen, Kinderyoga und einer Führung durch unser Dorfprojekt verbracht. Abends haben wir uns mit dem Massageequipment zurückgezogen. T. war zu müde, um zu massieren, daher haben ihr Freund und ich ihr eine Vierhandmassage gegeben. Vierhandmassagen haben eine eigene Magie, nicht nur für den, der sie empfängt, sondern auch für die, die sie geben. Die Grenzen zwischen Nehmen und Geben verschwimmen. Im Idealfall werden die Atmung und die Bewegungen derjenigen, die massieren, synchron und ein kurzer Blick reicht, um sich zu verständigen. Es ist wie ein intuitiver Tanz, die Atmosphäre ist dicht und energetisch aufgeladen und gleichzeitig spielerisch und gelöst. Ich liebe das. Ich kann das stundenlang machen, ohne müde zu werden und tatsächlich haben wir fast vier Stunden lag massiert.

Am nächsten Tag war es immer noch zu kalt, um ans Meer zu fahren. T. hatte ein paar Kleider und selbstgenähte Hosen für mich mitgebracht. Für Modul 2 brauchen wir für ein Ritual rote Kleidung  und da ich nichts Passendes habe, hatte sie angeboten, mir etwas zu leihen. Wir haben zusammen ein Kleid für mich ausgesucht und sie hat sogar angeboten, es für mich umzuarbeiten. Und ich konnte es annehmen. Nachmittags hat sie mir dann eine Massage gegeben. Zwei Stunden lang war ich kalt, angespannt und genervt, weil ich ihre Berührungen nicht genießen konnte. Ich hatte die Uhr im Nacken, das Abendessen und die familiären Abläufe. Dann habe ich entschieden, dass mir diese Massage wichtiger ist. Ich habe meinem Mann eine Nachricht geschrieben, dass er nicht mit dem Essen warten soll, bin noch mal auf die Toilette gegangen und habe die Heizung voll aufgedreht. Von da an wurde es besser. Als sie mir die Herzmassage gegeben hat, habe ich Licht und Liebe gespürt und am Ende haben sich viel Trauer, Schmerz und Tränen bei mir gelöst. „Dein Körper hat mich gerufen“ hat sie gesagt. Wie gut, dass ich nicht auf die Uhr gehört habe!

Diesen Monat habe ich mir Körperpflegeprodukte gekauft. Das klingt jetzt wahrscheinlich ein bisschen albern, aber ich tue mich immer so schwer damit, Geld für mich auszugeben. Mein Mann kam neulich mit drei Paar neuen Schuhen und sechs Hemden nach Hause, ich dagegen bin fünf Minuten um das Regal mit den Körperölen herumgeschlichen, habe Preise verglichen und Kartons beschnuppert, bevor ich mich für eines entschieden habe, dessen Preis um 20% ermäßigt war. Als ich an der Kasse stand, hatte ich trotzdem noch Skrupel. Aber ich habe es gekauft und am nächsten Tag – als Gipfel des Luxus –  den ersten Nagellack meines Lebens, ein Set mit Herbstfarben von essie, bestellt. Falls das jemandem etwas sagt …

Etwas für mich?

Diese Tantra-Ausbildung ist faszinierend. Es ist, als hätte ich einen neuen Raum in mir entdeckt, ein Zimmer, dessen Tür ich nie geöffnet habe. Ich habe mich früher immer nur auf meinen Verstand verlassen. Damit kannte ich mich aus, der hat mich nie im Stich gelassen. Meinen Körper und meine Seele habe ich nicht verstanden. Ich war eine Einserschülerin, in der Schule habe ich gelernt, zu funktionieren, auch wenn es mir nicht gut ging. Meine Eltern ließen mich in Musik und Tanz unterrichten, aber auch da ging es nicht darum, was meine Seele und meinen Körper nährt oder wie sie sich ausdrücken wollen, sondern darum, den Vorgaben zu entsprechen. Nie habe ich wirklich versucht, herauszufinden, wer ich bin und was ich will. Als wäre ich ein Gefäß, das mit etwas gefüllt werden müsse und nicht eine Pflanze, die sich entfalten will. Irgendwann wurde mir klar, dass ich das tun sollte, dass es mir helfen würde und dass das der Unterschied ist zwischen den Menschen, die ich bewundere und denen, die mich langweilen: Die einen leben IHR Leben und die anderen tun das, was sie denken, was man tun sollte.

Bei meinem Coaching im Frühjahr kam das Gespräch auf diesen Punkt und mir wurde plötzlich deutlich, was zwischen mir und meinem Leben steht: Meine Angst vor Ablehnung, mein Bedürfnis, es allen Recht zu machen. Jede Entscheidung für etwas ist auch eine Entscheidung gegen etwas. Das war oft mein Dilemma. Es musste immer viel passieren, damit ich den Mut aufgebracht habe, mich gegen etwas oder jemanden zu entscheiden. Das war immer eine hohe Hürde für mich. Ich habe bestenfalls versucht, beidem gerecht zu werden: Nach Außen den Anforderungen und Wünschen meiner Umwelt und im Verborgenen meinen eigenen Bedürfnissen. Das Ergebnis war, dass ich bei allem, was ich getan habe, nur halb dabei war. Das war unbefriedigend für mich und letztlich auch für alle anderen, denn ich habe ihnen eine Menge vorenthalten, indem ich mein Licht unter den Scheffel gestellt habe, statt es leuchten zu lassen.

Lange Rede – kurzer Sinn: Die Tantra-Ausbildung bringt mich in Kontakt mit meinem Körper und meiner Seele und vor allem mit meinem Herzen. Ich erlebe immer wieder, wie stark meine Intuition ist und was alles in Bewegung kommt, wenn ich auf sie höre, wenn ich ihr einfach folge, statt den Kopf dazwischenreden zu lassen. Und sie hilft mir dabei, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, die Kluft zu überwinden, vor der ich oft hilflos stand. Ich lerne, mich mit anderen Menschen zu verbinden, ohne dass es mir Angst macht oder ich mich von ihnen abhängig fühle. Ich lerne, wie ich mein Herz spüren und es zeigen kann. Ich mache die Erfahrung, dass ich gesehen werde, wenn ich mich zeige und dass ich gar nicht so viel leisten muss, wie ich immer dachte, um wertgeschätzt zu werden.

Bei einem Ritual im Rahmen der Ausbildung durften wir uns Kräfte zur Unterstützung einladen. Ich habe die Leichtigkeit eingeladen und sie begleitet mich immer noch. Auch wenn es manchmal schwer ist. Vor allem für meinen Mann. Er weiß gerade nicht, wie er damit umgehen soll, dass ich mich im September eine Woche lang mit Intimmassagen beschäftigen werde. Einerseits verstehe ich das. Andererseits spüre ich Widerstand in mir, wenn er sagt, es sei nicht „normal“, als verheiratete Frau „so etwas“ zu machen. Für mich ist „normal“ keine gültige Kategorie mehr. Ich weiß jetzt, dass es nicht darauf ankommt, was ich mache, sondern wie und warum ich es mache und dass ich genug Klarheit in mir habe, um diesen Weg zu gehen. Ich weiß jetzt, dass mir niemand etwas geben kann, dass ich bei niemandem etwas finden kann, was ich nicht selber in mir trage. Dass mir nicht irgendjemand oder irgendetwas zu meinem Glück fehlt, sondern mehr von mir selber.

Etwas Altes?

Um mich und euch davon abzulenken, dass ich diesen Monat wieder nicht meinen Plan erfüllt und ein weiteres Zimmer entrümpelt und grundgereinigt habe, werde ich die Frage nach dem „Alten“ mal allgemeiner verstehen und davon berichten, wie ich versuche, eines der Minenfelder in meinem Leben zu räumen: Ich habe Kontakt mit V. aufgenommen. Es fing damit an, dass ich mit meiner Familie bei dem Treffen war, bei dem er theoretisch auch hätte sein können, weil er ja dank meiner Empfehlung demselben Netzwerk angehört. Das war nicht leicht für mich. Gemeinsame Bekannte waren da, sein Name fiel, Erinnerungen wurden lebendig und plötzlich war er mir wieder ganz nah. Ich wusste zunächst nicht, wie ich mit der Welle aus Trauer und Liebe umgehen sollte, die mich überschwemmte. Der besondere Wert dieser Treffen liegt darin, dass sie einen Rahmen bieten, in dem man authentisch, ehrlich und offen miteinander umgehen und sich mitteilen kann. Aber wie sollte ich das tun, ohne meinen Mann und den abwesenden V. bloßzustellen und zu beschämen? Und wie sollte ich die Tage dort überstehen, ohne mich jemandem anvertrauen zu können? Ich habe mich verflucht, weil ich mich mal wieder in so eine blöde Position manövriert hatte.

Ich habe dann für mich die Lösung gefunden, meine Gefühle mit den Menschen, mit denen ich mich jeden Tag zum persönlichen Austausch in einer Kleingruppe getroffen habe, zu teilen, ohne Namen und Details zu nennen. Danach ging es mir besser. Aber sollte das jetzt immer so weitergehen? Und wie ging es V. damit? Wäre er vielleicht auch gerne zu dem Treffen gekommen, hatte es aber wegen mir und meiner Familie unterlassen? Die beiden Männer sind sich schon ein paar Mal begegnet, aber ausgesprochen haben sie sich nicht. Als wir wieder zu Hause waren und etwas Ruhe eingekehrt war, habe ich V. geschrieben, dass es für mich in Ordnung wäre, wenn er im nächsten Jahr zu dem Treffen käme und dass ich mich darüber freuen würde, weil er dort hingehöre. Minuten später schickte er mir eine Nachricht und fragte, ob wir telefonieren könnten. Nach einer kurzen Panikattacke habe ich eingewilligt. Es war ein gutes, ein versöhnliches Gespräch. Er hat viel erzählt. Es war schön, seine Stimme zu hören. Sie klang weich und offen. Meine nicht. Ich hatte mein Herz verriegelt. Ich war auf der Hut. Er sagte, er würde mir gerne mal wieder schreiben. Und dass er wohl gar nicht wirklich wisse, wer ich sei. Später habe ich ihm geschrieben, dass er mein Blog lesen soll, wenn er wissen will, wer ich bin. Und dass er dann entscheiden soll, ob er mit mir Kontakt haben will, weil ich nicht wieder ein einseitiges Dienstleistungsverhältnis möchte, das nur funktioniert, weil ich nicht sage und zeige, was ich denke und fühle. Immerhin weiß ich jetzt genau, was ich alles nicht will. Aber ich weiß immer noch nicht, was mich so stark mit ihm verbindet. Vielleicht gibt es einen Anteil in seiner Persönlichkeit, von dem meine Seele noch etwas lernen will. Ich würde es gerne herausfinden.

Etwas Neues?

Bei dem Treffen wurden viele kleine Workshops angeboten und ich habe die Gelegenheit ergriffen, zum ersten Mal eine Trommelreise zu machen, um meinem Krafttier zu begegnen. Wir lagen auf dem Boden, während ein Mann umherging, eine Trommel schlug und uns dazu anleitete, in Gedanken durch eine Öffnung im Erdboden die Unterwelt zu betreten und durch einen Tunnel zu laufen, bis wir ins Freie gelangten. Dort traf ich tatsächlich ein Tier. Es war dasselbe, das ich schon mal bei einer Traumreise in der Therapiegruppe gesehen hatte: ein Einhorn. Damals stand es für meine Seele und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich mit ihm anfreunden mochte. Waren Einhörner nicht diese Fabeltiere auf pastellfarben glitzernden Oblaten? Aber nachdem ich mich mit den Qualitäten dieses Wesens vertraut gemacht und das zauberhafte Buch „Das silberne Einhorn“ gelesen hatte, fing ich an, es zu schätzen. So war ich nicht überrascht, als es auf der Trommelreise wieder vor mir stand. Mein Tiername ist jetzt „empfindsames Einhorn“ und ich bin stolz darauf.

Ich merke, dass es mich ewas unsicher macht, hier so viel über „Licht“, „Energie“, „Seele“ und „Liebe“ zu schreiben. Das ist auch etwas Neues für mich, ein bisschen wie ein Outing. Es gab immer wieder Phasen in meinem Leben, wo ich Yoga gemacht und meditiert und mich mit spirituellen Themen befasst habe und es hat mich immer weitergebracht. Aber meine Bereitschaft, mich darauf einzulassen hat auch immer Grenzen gehabt. Beim ersten Modul meiner Ausbildung haben wir jeden Morgen um acht Uhr eine Chakra-Atem-Meditation gemacht. Ich war so genervt! Vor dem Frühstück 45 Minuten lang zu komischer Musik peinliche Hüftbewegungen und Töne machen, mit den Händen wedeln bis einem die Arme abfallen und sich Farben und Formen vorstellen – das war nicht, was ich mir unter einem entspannten Start in den Tag vorgestellt hatte. Aber der Ausbilder ist eher ein Typ wie ich, kopflastig, intellektuell strukturiert, Jeans und T-Shirt statt Wallawallaklamotten, also habe ich mir gedacht, dass es irgendeinen Sinn haben muss, wenn er uns das machen lässt und beschlossen, einfach mitzumachen und abzuwarten, was passiert. Und es war faszinierend, was alles passiert ist. Ich habe schnell gemerkt, dass mein Halschakra verschlossen und mein Herzschakra leer waren. Das hat sich im Laufe der Woche geändert und dadurch ist ganz viel bei mir in Bewegung gekommen.

Aber darüber zu schreiben, ganz ohne Ironie und kritische Distanz, das fällt mir schwer. Das sind „weiche“ Themen, die klingen für mich schnell nach „Wischiwaschi und Blabla“, obwohl ich auf meinem Blog viel über Selbsterfahrung und inneres Wachstum schreibe. Aber ich habe versucht, dafür eine eigene Sprache zu finden, durch Bilder erlebbar zu machen, was ich fühle, statt gebetsmühlenartig die immergleichen Phrasen zu wiederholen, die mich zuverlässig das Interesse verlieren lassen, wenn ich sie höre oder lese. Dieser Esoterik- und Psycho-Jargon geht mir schnell auf den Geist und provoziert mich dazu, mich zu distanzieren. Meine Toleranzschwelle ist da relativ niedrig, wenn es mir zu viel wird, steige ich aus. Manchmal ist das ein Fehler und im Fall der Chakra-Meditation bin ich froh, mir nicht selber im Wege gestanden zu haben. Ich habe festgestellt, dass es Dinge gibt, die mir gut tun, obwohl ich sie nicht verstehe und obwohl sie sich blöd anhören. Vielleicht geht es euch mit diesem Text ja genauso.

Etwas Kreatives?

Ich habe einen Blogpost mit Fotos für „12 von 12“ gemacht. Mit der Qualität der Bilder bin ich noch nicht zufrieden, mal sehen, ob ich das nächste Mal eine andere Kamera nehmen oder an den Einstellungen meines Layouts etwas verändern kann.

Die Einschulung von M. hat mich dazu veranlasst, mal wieder den Karton mit den Acrylfarben und das Origami-Buch aus dem Regal zu holen. Das Ergebnis waren eine Schultüte mit Blumenranken, aus denen die Buchstaben von M.s Namen wachsen und gefaltete Vögel als Tischkarten für die Festtafel. Ihr Tiername ist nämlich „kleiner aufgeregter Specht“.

Mein Fazit

Beim Schreiben ist mir der Text von Marianne Williamson eingefallen, den Nelson Mandela bei seiner berühmten Antrittsrede zitiert hat:

Die größte Angst

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein.
Unsere größte Angst besteht darin, unermesslich mächtig zu sein.
Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, ängstigt uns am meisten.
Wir fragen uns, wer bin ich überhaupt,
um strahlend, bezaubernd, begnadet und phantastisch sein zu dürfen?
Wer bist du denn, dass du das nicht sein darfst?
Du bist ein Kind Gottes.
Es dient der Welt nicht, wenn du dich klein machst.
Sich herabzusetzen, nur damit unsere Mitmenschen sich nicht verunsichert fühlen,
hat nichts mit Erleuchtung zu tun.
Uns allen ist es bestimmt, wie Kinder zu strahlen.
Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes in uns zu verwirklichen.
Es ist nicht nur in einigen Menschen, sondern in jedem von uns.
Und wenn wir unser Licht leuchten lassen,
geben wir damit anderen unwillkürlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Wenn wir losgelöst sind von unserer eigenen Angst,
wird unsere Anwesenheit andere befreien – ganz ohne unser Zutun.

P.S.: Ach ja: dies ist ein Beitrag zu einer Blogparade. Das hätte ich fast vergessen.