Gute Absichten 2014 – April

Ich bin einen halben Monat im Verzug mit meinem Monatsbericht für euch und für „Erik“. Die letzten sechs Wochen waren so ausgefüllt mit Aktivitäten, Ereignissen und Zwischenfällen, dass in meinem Kopf kein Platz für Wörter war. Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel. Dafür habe ich jetzt umso mehr zu erzählen:

Habe ich mir in diesem Monat Raum genommen für …

Etwas Schönes?
Der April begann mit der Bronchitis, mit der der März aufgehört hatte. Sie hat mich anderthalb Wochen im Bett fest gehalten und u.a. meine geplante Wochenendreise in eine spannenden Stadt zu zwei tollen Freundinnen vereitelte. Ich vertrieb mir die Zeit mit der Lektüre des farbenfrohen Blogs fortydaysofdating und sah „Am Hang“ sowie „Intimacy“, und „Blue Jasmine“, aber alles in allem war das eine schwierige und destruktive Zeit. Ich hatte Kreislaufprobleme, fühlte mich zunehmend überreizt und überfordert von meinen Kindern, unsicher und verletzlich im Kontakt mit anderen Menschen, unfähig und verzweifelt wegen meiner Situation, die ich als eingeengt und abhängig empfand, im Kleinen wie im Grossen. Jedes Klopfen an meiner Zimmertür, jedes Klingeln des Telefons oder an der Haustür ließ mich zusammenschrecken, ich zog mich immer weiter in mich zurück und schämte mich dafür.

Als ich wieder auf den Beinen war, haben mein Mann und ich zum 18. Mal unseren Kennenlerntag gefeiert. Wir waren zusammen im Hamam und danach hat er mich mit einer Einladung in ein syrisches Restaurant überrascht. Nachdem ich so viel Zeit alleine und krank im Bett verbracht hatte, war das wohl ein bisschen viel auf einmal für mich. Obwohl die Stimmung zwischen uns gut und das Essen sowie der Wein vorzüglich waren, fühlte ich mich im Laufe des Abends zunehmend traurig und bedrückt, ohne zu wissen, warum.

Das Wochenende meiner Therapiegruppe war diesmal in einem Tagungshaus an der See und dauerte einen Tag länger als sonst. Beides hätte ich normalerweise sehr genossen, diesmal tat ich mich schwer damit, im Kontakt mit den anderen zu bleiben und gleichzeitig für mich zu sorgen. Ich habe versucht, einfach so da zu sein, wie ich mich gefühlt habe – leise und nachdenklich. Ich komme auf eine Art schnell in Gruppen rein und auf eine Art eben doch nicht. Das habe ich diesmal nicht überspielt, sondern gezeigt. Und ich bin barfuß durch den Sand gelaufen und habe die Füße ins eiskalte Wasser gehalten. Das war schön.

Am Montag darauf war der Termin für meine Tantra-Massage. Dazu unten mehr, denn es war mein „erstes Mal“. Ein paar Tage später war ich endlich mal wieder mit meiner Freundin A. in der Stadt verabredet. Wir saßen einen ganzen Nachmittag in der Sonne, tranken Milchkaffee und aßen cheese cake mit Himbeersauce, bis ich einen kleinen Sonnenbrand im Decolleté hatte. Ich erzählte ihr von der Tantra-Massage. Wir kennen uns seit 15 Jahren und hatten schon viele tolle Gespräche, aber so ein intensives noch nie. Wir haben Händchen gehalten und ein paar Tränen verdrückt. Ich bin mit der Bahn zurück nach Hause gefahren, aber mir war, als hätte ich Flügel.

Danach war Ostern und das einzige, was mir dazu einfiel, was ich an Ostern für mich tun könnte, war, mir eine Flasche Eierlikör zu kaufen. Ich habe bestimmt seit 25 Jahren keinen Eierlikör mehr getrunken, aber jetzt steht die kleine Flasche mit dem milchig-gelben Inhalt hinter der Glastür im Küchenbüffet zwischen Mirabellenschnaps, Grappa und Gin und immer wenn ich sie ansehe, scheint sie mir zuzuzwinkern. Ansonsten war viel Trubel, Einkaufen, Putzen, Kochen, Backen, Dekorieren, Eierverstecken und Eiersuchen, etc.. C., die große Tochter meines Mannes, kam zu Besuch und dann war auch noch der 18. Geburtstag von P., unserer großen Tochter. Sie hat schon am Ostersonntag angefangen, ein großes portugiesisches Essen vorzubereiten. Wir restlichen Fünf bemühten uns, den Tag über ohne die Küche auszukommen, sie möglichst wenig zu stören und doch wie zufällig zur Stelle zu sein, wenn etwas schief ging. Abends haben wir dann mit ihren Gästen reingefeiert. Ihre Gäste, das waren unsere Nachbarn mit ihren zwei Kindern sowie L., ihre einzige gleichaltrige Freundin. Meine Nachbarin S. tappte gleich zu Beginn in zwei Fettnäpfe, als sie mich zunächst nach der Geburt fragte und dann: „Und wie ist es so, wenn das Baby flügge wird?“ Ja – keine Ahnung, denn das Baby ist noch nicht flügge! Noch lange nicht.

Einerseits war ich S. dankbar, dass sie ein Gesprächsthema nach dem anderen aus dem Ärmel zauberte, andererseits kam ich mir gegen sie öde und unfähig vor. Ich wusste nicht, was ich erzählen, worüber ich reden sollte. Über die Dinge und Menschen, die mich gerade wirklich beschäftigen, wollte und konnte ich nicht reden und zu den Dingen, über die in dieser Runde gesprochen wurden, hatte ich nichts zu sagen. Der Abend nahm kein Ende. Die Kinder gingen nacheinander ins Bett, zum Schluss verabschiedeten sich unsere Nachbarn. Wir blieben zurück mit drei jungen Frauen: C., die 24 Jahre alt, berufstätig und frisch verliebt ist, L., die gerade Abitur macht und unserer Tochter P.. Als es Mitternacht war, stießen wir mit einer Flasche Hugo an, die L. mitgebracht hatte. Es war der erste Alkohol, den P. in ihrem Leben trank. Nach einem Glas ging ich ins Bett, froh, den Abend hinter mich gebracht zu haben, ohne aus der Rolle gefallen zu sein. Der Rolle der stolzen Mutter, die das Älteste ihrer drei Kinder in die Selbständigkeit entlässt. Was für eine Farce.

Nach Ostern waren schon wieder Schulferien und es kam noch mehr Besuch, Verwandschaft, die wir lange nicht gesehen hatten, die noch mehr schmutziges Geschirr und schmutzige Bettwäsche und Handtücher produzierte und mit der niemand so richtig warm wurde. Dann haben wir eine Woche lang das Haus auf den Kopf gestellt (s.u.) und als dann endlich wieder der Alltag beginnen sollte, spuckte die kleine M. von abends um 10 bis morgens um 5. Das Ergebnis: Noch viel mehr schmutzige Wäsche und ein Kind, dass so dehydriert war, dass es fast ins Krankenhaus gemusst hätte. Als es ihr ganz allmählich besser ging (die Wendung brachte übrigens der Tipp der Apothekerin, ihr statt Traubenzucker oder irgendwelcher in Wasser gelösten Pülverchen Gummibärchen anzubieten!) befreite sich in der folgenden Nacht mein Magen-Darm-Trakt innerhalb einer Stunde von seinem gesamten Inhalt. Nach zwei Tagen hatte ich mich so weit erholt, dass unsere Tochter mir anvertrauen konnte, dass sie nur drei Monate statt wie geplant ein ganzes Jahr bei dem Tierschutzprojekt in Portugal bleiben kann.

Etwas für mich?
Ich habe ein berufliches Coaching gemacht. Das Ergebnis war, dass mein Selbstbild im Moment sehr von den Phasen geprägt ist, in denen ich mich kraftlos und disfunktional fühle und es viel zu selten Situationen gibt, in denen ich mich anders erlebe, in denen ich tue, was ich will und kann und was mir Spaß und Erfolg und positive Erlebnisse mit anderen Menschen bringt. Meine Entscheidungen waren bisher meistens von den Erwartungen und Wünschen meiner Umwelt beeinflusst. Ich habe mich selten getraut, einfach die zu sein, die ich bin und das zu tun, was meinen Bedürfnissen entspricht. Dabei sind es oft gerade diese Momente gewesen, diese Sternstunden von Ehrlichkeit und Authentizität, die mich (und auch die Menschen um mich herum) längerfristig am meisten voran gebracht haben. Im Gegenzug für diese oberflächlich angepasste und funktionale Lebensweise bin ich immer materiell versorgt worden, zuerst von meinen Eltern und dann von meinem Mann.

Aber ich hatte auch immer das Gefühl, auf irgendetwas zu warten und nicht wirklich mein eigenes Leben zu leben. So will und kann ich nicht weiter machen, so viel ist mir in den letzten beiden Jahren klar geworden. Ich muss etwas finden, wofür es sich lohnt zu leben, das ist lebensnotwenig, nicht nur für mich, sondern auch für meine Kinder. Ich habe bei dem Coaching von meiner Idee gesprochen, eine Tantra-Massage-Ausbildung zu machen und meine Gesprächspartnerin hat mich dazu ermutigt, nicht vor den Widerständen um mich herum zu resignieren, sondern im Kontakt zu bleiben und für das einzustehen, was mir am Herzen liegt.

Das habe ich getan. Ich habe mir zuerst einen Termin für eine Tantra-Massage geben lassen, um mir aus persönlicher Erfahrung ein Urteil bilden zu können. Ich hatte deswegen heftige Auseinandersetzungen mit meinem Mann, aber am Ende hat er es akzeptiert. Nach der Massage hat er gemerkt, dass es nicht nur mir, sondern auch unserer Beziehung gut getan hat und war offen dafür, dass ich weitere Schritte unternehme. Inzwischen habe ich mich für das erste Modul der Ausbildung angemeldet und war bereits bei einem Teamtreffen des Institutes, bei dem ich die Massage bekommen habe. Die Inhaberin ist bereit, mich bei der Ausbildung zu unterstützen und im Gegenzug schreibe ich Texte für ihre Homepage. Ich möchte als Sexualtherapeutin arbeiten und die Tantra-Massage-Ausbildung bietet mir dafür aus meiner gegenwärtigen Situation heraus einen guten Einstieg, weil ich schnell praktische Erfahrungen sammeln und Geld verdienen kann, das ich dann in weitere Qualifizierungen stecken kann. Zum Beispiel in eine Fortbildung in Sexologie und in den „Kleinen Heilpraktiker“.

Es verändert sich gerade viel bei uns: Wir haben keinen Hund mehr, P. macht den Führerschein und wird ab dem nächsten Monat erst mal für längere Zeit im Ausland sein, M. kommt im Sommer in die Schule. Das bedeutet mittelfristig eine Entlastung, weniger Kosten, weniger Arbeitsaufwand für Haushalt und Kinder, weniger Stress, ein freies Zimmer. Es werden sich Freiräume auftuen und ich bin entschlossen, sie für mich zu nutzen. So wie ich im Schlafzimmer Platz für ein kleines Regal gefunden habe, in dem jetzt die persönlichen Sachen von mir stehen, die vorher keinen Raum in unserem Haus hatten. Ich habe das Gefühl, endlich einen roten Faden zu haben, einen Plan und ein Ziel.

Etwas Altes?
In den Ferien hatte mein Mann eine Woche Urlaub und da haben wir uns an den geplanten Kinderzimmertausch gemacht. Die beiden Räume sind zum Dach hin offen und haben jeweils eine Galerie, die zum Spielen und/ oder Schlafen genutzt werden kann. Wir haben erst ein Zimmer komplett leer geräumt und geputzt und dann den Inhalt der Schränke, Bücherregale und Spielzeugkisten ausgeräumt, ausgemistet und sauber gemacht, bevor wir alles wieder eingeräumt haben. Bei der Gelegenheit hat unsere kleine Tochter auch noch das Hochbett aufgebaut bekommen, dass ihr Bruder früher hatte und den alten Schreibtisch ihrer großen Schwester. Ich habe eine Woche lang geschleppt und geräumt, gesaugt und gewischt, abgestaubt und sortiert, neben Unmengen von Motteneiern, Hundehaaren und Spinnweben auch zahllose Murmeln, Wäscheklammern und Spielsteine gefunden und von den Kuscheltieren über die Lattenrostbezüge bis zu den Legostein alles gewaschen, was sich waschen ließ. Mein Mann hat geschraubt und gebohrt, alle Fenster im Haus geputzt, die vollen Müllsäcke zum Recyclinghof gebracht und sich ums Essen gekümmert. Mein Sohn hat in sämtliche Türen die Gummidichtungen gefriemelt, die seit acht Jahren in einer Tüte im Schuppen lagen und das Gründach gejätet. Am Ende der Woche war Flohmarkt in unserem Wohnprojekt und wir haben viele Kinderklamotten und Spielsachen verkauft. Bis auf einige wenige schöne Stücke, die ich bei ebay versteigern will, ist der Rest bei einem sozialen Projekt gelandet.

Wenn ich jetzt aus den Fenstern gucke, ist die Aussicht erschütternd naturgetreu, als hätten wir plötzlich von einem 60er Jahre Röhrenfernseher zu HD gewechselt. In den Kinderzimmern hat alles seinen Platz und dazwischen ist auch noch Platz. Wenn jemand die Haustür schließt, scheppern nicht mehr im ganzen Haus die Türen. Wohnen fängt an, wieder Spaß zu machen. Ich habe mir jetzt vorgenommen, jeden Monat einen Raum auf diese Weise zu entkernen.

Etwas Neues?
Ich war diesen Monat zum ersten Mal im Hamam und zum ersten Mal bei einer Tantra-Massage. Beides habe ich sehr genossen und beides kann ich sehr empfehlen. Wenn ich genug Zeit und Geld hätte, würde ich mir das jede Woche gönnen.

Im Hamam trägt man eine Art großes Geschirrtuch um den Körper, begießt sich mit warmem Wasser und wartet dann auf einem großen Marmorpodest darauf, dass man von einer Fachkraft zunächst mit einem Massagehandschuh kräftig abgerubbelt und dann mit Seifenschaum massiert wird. Danach fühlt man sich rosig und weich wie ein Baby und sieht auch ein bisschen so aus.

Eine Tantra-Massage ist ein traditionelles, mehrstündiges, meist gegengeschlechtliches Massageritual, bei dem sowohl der Gebende als auch der Nehmende nackt sind. Der ganze Körper wird achtsam, respektvoll und absichtslos berührt und massiert, auch der Intimbereich. Dabei können viele unterschiedliche Gefühle wie Wut, Trauer, Lust und Liebe aufkommen und sie sind alle willkommen. Im Vorgespräch habe ich dem Masseur gesagt, dass ich auf der Suche nach meiner Lebendigkeit bin und nach der Massage wusste ich, dass Tantra der richtige Weg dahin ist. Ich fühlte mich körperlich satt, präsent und frisch, ein Zustand, den ich lange vermisst habe und der mir wieder Lust auf das Leben gemacht hat. Die Massage ist jetzt einen Monat her und ich spüre diese Energie immer noch in mir. Dazu gäbe es noch viel zu sagen, aber das würde den Rahmen dieses ohnehin schon sehr langen Textes sprengen. Ich schreibe ein anderes Mal mehr dazu.

Etwas Kreatives?
Leider habe ich vergessen, bei dem Workshop in dem Tagungshaus mein Bett zu fotografieren, dabei wäre das mal eine nette Variation gewesen. Ich habe also diesmal kein Foto für euch. Aber als ich krank war, habe ich herausgefunden, wie man bei WordPress Musiktitel von youtube in Blogposts einbettet und habe das bei ein paar meiner Texte gemacht.

Ich habe versucht, nach diesem Rezept eine Karamel-Schoko-Torte zu backen. Dazu sollte man eine geschlossene Dose Kondensmilch zwei Stunden lang in einem Topf mit Wasser kochen, bis der Inhalt zu Toffee wird. Leider hatte ihr das aber niemand gesagt und als ich der brühheißen Blechbüchse erwartungsvoll mit Topflappen und Dosenöffner zu Leibe rückte, war das, was aus den Ritzen quoll, immer noch Kondensmilch. Ich tränkte also den leckeren Boden aus zerkrümelten Keksen und Butter mit der heißen Kondensmilch, buk die Masse, bis sie schlussendlich nicht nur dunkelbraun, sondern auch fest wurde und strich die Schokoladensahne darüber. Es schmeckte nach aufgeweichten Keksen, die zu lange in Kondensmilch gebacken wurden und Schokoladensahne. So war das wohl nicht gedacht.

Zum Geburtstag meiner Tochter habe ich Sekttorte mit Zitronensahne gemacht und die war tatsächlich so einfach, wie im Rezept angegeben, schmeckte gut und sah sogar richtig hübsch aus, da ich meinem Mann das Dekorieren überließ.

Mein Fazit
Machen wir uns nichts vor: Auf diesem Blog wird es zukünftig noch viel mehr um Sex gehen.
Zum Glück gibt es viele Dinge, die ich besser kann als Backen.