Gute Absichten 2014 – Februar

Diesen Monat hatte ich sehr zu kämpfen: Mit einer Krankheitswelle und meiner Frustration darüber, dass deswegen so viel liegen geblieben ist und den Neujahrsschwung gleich wieder aufgesogen hat. Aber der Reihe nach:

Habe ich mir in diesem Monat Raum genommen für …

Etwas Schönes?
Der Monat fing gut an: Ich hatte Sehnsucht nach dem Meer und habe mich für einen Tagesausflug verabredet. Die Wettervorhersage lieferte die besten Gründe, dieses Herzensprojekt gleich wieder abzusagen, aber ich habe es geschafft, meinen Wunsch ernst zu nehmen und mir nicht den Schneid abkaufen zu lassen. Einer meiner geliebten Elektro-Streams von Alle Farben trug mich und meine gute Laune durch die trübe Suppe der Küste entgegen, wo ich mit einem Freund im Regen am Strand spazieren ging und in einem kuscheligen Café mit Blick auf den Hafen Torte aß. Um uns und unsere Klamotten zu trocknen und die spannenden Gespräche fortzusetzen, wärmten wir uns abends noch in einem thailändischen Restaurant mit Nudelsuppe auf.

Als ich schließlich so rundum wohlig durch die engen Straßen zum Parkplatz ging, um mich auf den Heimweg zu machen, war es nicht nur spät, sondern auch sehr glatt geworden. Au weia. Die Landstraße glitzerte tückisch unter dichten Nebelschwaden, eine falsche Bewegung und sie wäre zur Geisterbahn geworden. Es kostet mich in solchen Situationen große Anstrengung, Vertrauen zu mir und dem Leben zu haben und die Angst, dass ich der Situation nicht gewachsen sein könnte im Keim zu ersticken, bevor sie mich überrollt. Ich bin sehr langsam, aber heil und ein bisschen stolz nach Hause gekommen und habe meine Anspannung mit einer Wärmflasche und einem Glas Schlehenschnaps gelöst.

Am nächsten Tag fing ich an zu husten und kam die nächsten zwei Wochen wegen einer schweren Bronchitis kaum aus dem Bett. Ich konnte nicht lange lesen und habe mir deshalb die Zeit mit Sehen vertrieben: „Das Wochenende“ (naja), „Der Vorleser“ (berührt von den Vorlese-Szenen und natürlich von Susan Lothar), „Wer, wenn nicht wir?“ (fasziniert von Lena Lauzemis, denn androgyne Frauen finde ich sehr erotisch) und (nach dieser Empfehlung) eine ganze Staffel „Masters of Sex“ (gut unterhalten).

Aufgestanden bin ich erst wieder zum nächsten Gruppentherapie-Wochenende in der Stadt. Als ich abends zu meine Freundin I. kam, war sie noch schlapper als ich, zeigte mir den Topf Kartoffelsuppe auf dem Herd und verkroch sich mit den Worten „Ich bin heute keine gute Gastgeberin“. Mir war es recht so, denn schliesslich hat sie mir angeboten, jederzeit bei ihr übernachten zu dürfen. Das kann ich besser annehmen, wenn ich weiß, dass sie mir nicht aus falsch verstandener Gastfreundschaft Gesellschaft leistet. Ich vertrieb mir den Rest des Abends mit dem hübschen Büchlein „Am Hang“, das ich auf ihrem Couchtisch entdeckte und genoss das gemeinsame Frühstück am nächsten Morgen umso mehr.

In der folgenden Woche war mein Sohn krank und der Kindergarten unterbesetzt, so dass ich alle Kinder im Haus hatte. Viel Schönes war also nicht diesen Monat. Ich hätte jede Woche die Möglichkeit gehabt, Tanzen zu gehen, aber einmal war ich am Meer, einmal krank, einmal erschöpft und einmal das ganze Wochenende allein mit den Kindern. Einkaufen war ich auch nicht. Ich habe mir nicht mal einen neuen Friseurtermin geben lassen. Die Umstände waren widrig, aber das ist nicht der einzige Grund. Ich vergesse mich einfach zu oft.

Etwas für mich?
Ich lese jetzt doch „Der Weg des Künstlers“. In dem Buch geht es darum, Blockaden auf dem Weg zur kreativen Entfaltung zu beseitigen. Ich scheine eine Menge Blockaden zu haben, denn es fällt mir schon schwer, ein Buch in die Hand zu nehmen, dessen Titel suggeriert, ich könnte irgendeine künstlerische Begabung in mir bergen. Ich hätte das wohl nie geschafft, hätte ich nicht zwei Wochen im Bett liegen müssen und nichts anderes zum Lesen gehabt. Die Kakophonie in meinem Inneren, die mir entgegenbrüllt, was alles passieren wird, falls ich versuchen sollte, meinen Talenten zu folgen und am Ende auch noch gut darin wäre und Erfolg und Spaß daran hätte, wird mit jedem Kapitel lauter. Daher kann ich die Lektüre nur in homöopathischen Häppchen fortsetzen. Aber ich habe angefangen, die von der Autorin so gerühmten „Morgenseiten“ zu schreiben. Drei Seiten, auf denen ich vor dem Aufstehen alles niederschreiben soll, was mir gerade den Kopf verstopft. Ich begebe mich also nach der morgendlichen Kinderschicht unverzüglich zurück ins Bett, tue so, als wäre ich gerade erst aufgewacht und fasse nichts an als Papier und Bleistift, bis die Blätter voll sind. Meistens.

Auf meinem Nachttisch liegt das Buch „Wort für Wort“ von Elizabeth George und wartet auf die nächste Bronchitis. Es kommt mir vermessen vor, es auszusprechen, aber es geht darum, wie man ein gutes Buch schreibt. Als Kind konnte ich mir nicht vorstellen, etwas anderes zu werden als Schriftstellerin. Das hatte ich ganz vergessen.

Etwas Altes?
Leider nicht. Und ich bin deswegen sehr unzufrieden mit mir. Die Bemühungen der Frühlingssonne, mit ihren Strahlen durch die dreckigen Fensterscheiben ins Haus zu gelangen oder zumindest die Elfenkrokusse, Blausternchen und Winterlinge aus den zugewucherten Beeten zu locken, führen mir zur Zeit besonders schmerzlich vor Augen, wie weit Soll und Haben auseinanderklaffen. Ich habe es gerade mal geschafft, den restlichen Advents- und Weihnachtsschmuck einzusammeln (erstaunlich, wie man sich an den Anblick von eingestaubten Krippenfiguren und ausgeblichenen Transparentpapiersternen gewöhnen kann) und auf dem Dachboden (seit der letzten Aufräumaktion der mit Abstand ordentlichste Raum im Haus) zu verstauen. Ich könnte eine Horde Heinzelmännchen gebrauchen, um erst mal eine Ausgangslage herzustellen, die meine aufkeimenden Antriebe nicht immer wieder im Ansatz erstickt.

Etwas Neues?
Nachdem meine Freundin H. geschrieben hatte: „Bogenschießen ist für uns Skorpione eine zweite Natur“, war ich erst recht entschlossen, es endlich auszuprobieren. Sobald ich wieder gesund war, habe ich mich (da das Familienauto anderweitig verplant war) wacker mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht. Doch ich war noch etwas schwach auf der Brust und obwohl mein liebenswürdiger Sohn mich bergauf kräftig anschob, kamen wir nicht rechtzeitig zum Trainingsbeginn. Zudem war es ob des herrlichen Frühlingswetters sehr voll. Nur zu bereitwillig verzichtete ich daher auf eine Probestunde und begnügte mich damit, zuzusehen. In weiser Voraussicht meiner Neigung zur Selbstbeschränkung verriet ich aber der Trainerin meinen ursprünglichen Plan und sie gab mir den Tipp, zum Erwachsenentraining zu kommen. Eine Woche später bin ich also wieder da. Diesmal ganz alleine, da mein Sohn angeboten hatte, auf seine kleine Schwester aufzupassen.

Etwas verloren stehe ich vor der kleinen Blockhütte und frage zaghaft nach der nötigen Ausrüstung. Mir wird ein Bambusbogen mit 27 Pfund Zuggewicht ausgehändigt, dazu Holzpfeile sowie Arm- und Handschutz aus Leder. Ungezählte Male habe ich schon auf diesem Übungsplatz gestanden, doch jetzt ist alles anders, denn diesmal bin ich es, die aus zehn Metern Entfernung einen mit Stroh gefüllten Jutesack zu treffen versucht: Die Füße in Schussrichtung ausrichten, den Bogen mit der linken Hand umfassen, den Pfeil direkt unterhalb des Nockpunktes auf der Sehne ein- und mit der Spitze auf die linke Hand auflegen, Ziel mit beiden Augen fixieren, Sehne mit drei Fingerspitzen am Nockpunkt bis zu den lächelnden Mundwinkeln ziehen und – Paaahh! – blitzschnell lösen, indem ich die Hand aus der Schulter heraus nach hinten öffne. Klingt ganz einfach, oder? Der erste Pfeil verfehlt den Strohsack, alle weiteren treffen mit einem satten Geräusch. Ich bin überrascht und der Trainer zufrieden. Doch sobald er weg ist, ploppt es kaum noch.

Während ich darüber sinniere, dass ich eben ein Vater-Kind bin, probiere ich es unverdrossen weiter, mal mit einem größeren Ziel, mal mit einem, das weiter entfernt ist. Der Trainer gibt mir immer wieder Tipps, aber die Pfeile schlingern und landen im Gras. Nach einer halbe Stunde „Warmschiessen“ begleitet eine Trainerin unsere kleine Gruppe auf eine Runde durch den Waldparcours. Bei meinem ersten Schuss steht sie neben mir und sagt: „Irgendwas stimmt nicht!“ Mein Armschutz war nicht richtig befestigt und dadurch verrutscht, so dass die Sehe gegen den Jackenärmel schlagen und die Flugbahn verfälschen konnte. Sie korrigiert den Sitz und von nun an treffe ich häufiger und es macht noch mehr Spaß. Wären die Tiere im Wald nicht aus Flexschaum gewesen, hätte es zum Abendessen Wildschweinbraten statt Kürbissuppe gegeben.

Etwas Kreatives?
Ich habe einen Schlafplatz fotografiert (wobei es nun wirklich nicht kreativ ist, auf den Auslöser einer Handykamera zu drücken), ihr findet das Bild hier oder hier. Ich wollte zum Stricktreff, um nette Gesellschaft und fachliche Beratung zu haben, war dann aber krank. Langsam beginnt mir das Backen wieder Spass zu machen und ich habe zur Begeisterung der Kinder Zimtwecken (nach diesem Rezept) und Marzipan-Kirsch-Muffins ausprobiert. Ich habe mal wieder keine Kostüme selber genäht und da meine Kinder dieses Mal scheinbar nicht so rücksichtsvoll sind, pünktlich zum Fasching krank zu werden, muss ich wohl heute schnell noch was besorgen. Zumindest setze ich mich so nicht dem Verdacht aus, eine von diesen protektionistischen „Bio-Mamas“ zu sein, die hier so schwungvoll in der Luft zerrissen werden.

Mein Fazit
Ohne den Ehrgeiz, etwas zu erleben, worüber ich hierfür schreiben kann, wäre dieser Monat noch viel langweiliger gewesen.
Wenn ich nicht aufpasse, wird dies noch ein Mama-Blog.
Die Sonne tut mir gut.