Freundschaft

„Zerstören Kinder unsere Freundschaften?“ fragt Janina auf ihrem Blog. Die Frage ist provokant gestellt und in einem Satz würde ich sie ebenso steil beantworten mit „Wenn eine Freundschaft durch Kinder (oder genauer gesagt wohl durch die Mutterschaft) zerstört werden kann, dann war es keine Freundschaft.“

Ich habe drei Kinder im Alter zwischen 5 und fast 18 Jahren und ich habe Freundinnen mit Kind(ern) und welche ohne. Meine Freundinnen sind nicht meine Freundinnen, obwohl oder weil sie (keine) Kinder haben, sondern weil wir uns als Menschen schätzen und vertrauen und gerne Zeit miteinander verbringen. Manchmal sehen wir uns monatelang nicht und wenn wir uns dann treffen, kommt es uns vor, als würden wir ein Gespräch fortsetzen, das wir nur für einen Augenblick unterbrochen hatten. Das ist die Art Freundschaft, von der ich hier spreche. Es gab auch immer wieder Weggefährtinnen und Weggefährten, die mich in einer speziellen Phase meines Lebens begleitet haben, aber wenn die Gemeinsamkeiten sich darauf beschränkt haben, dass man eben genau diesen Lebensabschnitt gerade gemeinsam durchläuft, sind daraus keine dauerhaften Freundschaften entstanden.

Als ich mit 24 Jahren von einem Ex-Liebhaber erst missbraucht und dann gestalked wurde, hat mich das u.a. eine langjährige enge „Freundin“ gekostet. Sie hat ihm, dem Star ihres Studienganges, geglaubt und nicht mir. Das hat mich damals mehr getroffen als Vieles, was er mir angetan hat. Als ich das meinem Vater erzählt habe, sah er mich mit seinen warmen Augen an und sagte „Du hast keine Freundin verloren. Sie hat eine verloren.“ Mit 26 wurde ich während des Studiums schwanger, als Erste in meinem Freundeskreis. Mein neuer Partner hatte schon ein Kind, also war ich plötzlich Zweifachmama. Das hat wieder eine Menge verändert. Alte Freunde verschwanden, neue Freundschaften entstanden.

Ebenso war es, als mein Vater starb und ich mein Studium während des Examens abbrach, als ich anfing zu arbeiten, als ich mein zweites Kind bekam, als ich aufhörte zu arbeiten, als ich von der Stadt aufs Land zog, als ich mein drittes Kind bekam, als meine große Tochter auf der Waldorfschule gemobbt wurde und Depressionen bekam, als ich selber wieder depressiv wurde und schließlich in eine Klinik ging, um mir helfen zu lassen. Ich habe mich verändert; mein Leben hat sich verändert. Leben ist Veränderung. Und es gibt einige wenige Freundschaften, die alle diese Veränderungen überdauert haben. Weil ich mit diesen Menschen eben mehr gemeinsam habe als den Job oder ein Hobby oder den dicken Bauch oder die medizinische Indikation.

Gemeinsame Interessen können eine Freundschaft eine Zeit lang ernähren, aber wenn das Leben der einen oder des anderen die nächste Kurve nimmt, zeigt sich, ob das nur der Kitt war, der einen zusammengehalten hat, oder ob ein echtes inneres Band gewachsen ist.