Gute Absichten 2014 – Januar

Da ein Monat bei dieser Blogparade vom 25. des Vormonates bis zum 25. dieses Monats dauert, wird mir gerade bewusst, dass Weihnachten und Silvester noch zu dem Zeitraum gehören, über den ich hier berichte. Das waren natürlich erschwerte Bedingungen. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Feste wirklich genossen, sie für mich gestaltet hätte. Aber ich habe mit meinen Kräften gehaushaltet. Wir hatten viel Besuch, doch ich habe mir die Freiheit genommen, mich zurück zu ziehen, wenn ich etwas Zeit für mich brauchte und sogar zwei Blogtexte geschrieben. Dennoch war ich froh, als die Feiertags- und Ferienzeit vorbei war und ich zumindest an den Vormittagen das Haus wieder (fast) für mich hatte. Bis auf meine große Tochter und ihren Hund, die leider nur sehr selten vor die Tür gehen.

So, jetzt geht es los:
Habe ich mir in diesem Monat Raum genommen für …

Etwas Schönes?
Der Januar war ein guter Monat. Auf jeden Fall dafür, dass es ein Januar war. Er fing mit einem intensiven und verrückten Tag an, den ich mit Freunden in der Stadt verbracht habe und der auf der Rückfahrt in der Bahn von einer hinreissend liebestrunkenen Piratenpost gekrönt wurde. Als ich auf dem Parkplatz in mein Auto stieg, um die letzten Kilometer nach Hause zurück zu legen, war es so spät bzw. früh, dass die Marktleute bereits im Scheinwerferlicht ihre Stände aufbauten.

Eine Woche später habe ich zusammen mit meiner kleinen Tochter meine Freundin A. besucht, die seit kurzem zwei Autostunden entfernt auf dem Land wohnt. Die Fahrerei war anstrengend – auf dem Hinweg, weil meine Navi-App mich im Stich ließ und auf dem Rückweg, weil strömender Regen und Windböen jedes Überholmanöver zu einer Mutprobe machten. Abends bekam meine Kleine Schnupfen und war am nächsten Mittag schon so krank, dass ich früher als geplant abgereist bin. Aber trotz dieser Widrigkeiten waren die 20 Stunden, die wir gemeinsam mit Kochen, Basteln, Vorlesen und einem langen Gespräch vor dem Kamin verbrachten sehr schön und ich bin stolz, es überhaupt gemacht zu haben. Und beim nächsten Mal wird alles wieder ein bisschen einfacher sein.

Das Wochenende darauf habe ich mit meiner Therapiegruppe verbracht und das war – wie jeden Monat – eine kostbare Auszeit. Besonders gut tut mir immer die Körperarbeit und diesmal war eine wahre Sternstunde dabei: Gerade, als ich an der Reihe war, die Berührung von drei Paar Händen zu genießen, breitete sich im Raum eine seltene Stille aus, die diesen Moment vergoldete. „Un ange passe“ nannte der Therapeut es hinterher. „Ein Engel geht durch den Raum.“ Der Workshop dauert für gewöhnlich zwei Tage und dazwischen schlafe ich immer bei meiner Freundin I., die gleich um die Ecke wohnt. Sie empfing mich mit einem Teller Nudeln, Rotwein und offenen Ohren, obwohl ihr die Augen vor Müdigkeit schon fast zufielen. Ich dagegen war putzmunter, als hätte ich die ganze Woche auf Sparflamme gelebt, um diesen Abend besser auskosten zu können.

Einkaufen war ich nicht, aber immerhin habe ich mir im Ausverkauf Schals und Handschuhe bestellt. Für mich. Nur für mich, wie die Kinder erstaunt feststellten, als das Paket kam. Ich entschied mich für einen fluffigen Schal in Aubergine-Brombeer-Meliert und ein Paar funktionale, aber zumindest ein bisschen elegante Handschuhe. Das Weihnachtsgeld habe ich damit noch lange nicht ausgegeben. Im Februar steht also eine weitere Shopping-Runde an. Diesmal: Unterbekleidung.

Ich will nicht beschönigen, dass viele Aspekte von „Etwas Schönes“ noch brachliegen. Es gab keine Kultur und keine Wellness (blödes Wort, aber ein besseres fällt mir gerade nicht ein) und viel zu wenig Bewegung, aber dafür – und das reißt die Bilanz nun wirklich raus:
Den ersten Kuss des Jahres! Ein Kuss, der gleichzeitig Frage und Antwort war. Der nicht zu etwas führen oder von etwas ablenken sollte. Der nicht vorgab oder leugnete, etwas anderes zu sein als der Ausdruck umfassender gegenseitiger Wertschätzung. Ohne Hoffen und Bangen, ohne Ach und Weh, undramatisch, aber nicht beliebig. Das ist gut, denn Leichtigkeit fällt mir schwer und ist eines der schönsten Geschenke, die ich mir machen kann.

Für das Frühjahr habe ich mir vorgenommen, in meine Lieblingsstadt zu fahren und ein paar tolle Frauen, die ich in der Klinik kennen gelernt habe, zu besuchen. Und ich überlege, im Sommer für eine Woche alleine wandern zu gehen. Zum ersten mal.

Etwas für mich?
Ich würde sagen: Ich bin am Ball. Ich habe viele Gespräche geführt. Mit A. über grundsätzliche Fragen und mit I. über konkrete Möglichkeiten und auch sonst habe ich eine Menge Gedanken bewegt. Mehr dazu beim nächsten Mal.

Etwas Altes?
Und wie! Eigentlich wollte ich erst mal mit etwas Überschaubarem anfangen, aber dann war beim besten Willen nicht zu übersehen, dass der Dachboden das drängendste Projekt ist. Also haben wir uns so organisiert, dass zwei Tage lang möglichst wenig Anderes anlag und während ich sortiert und entrümpelt habe, hat mein Mann die vollen Kisten beim Recyclinghof entsorgt und die Kinder in Schach gehalten. Jetzt sind 10 Kartons mit Kinderkleidung, Spielzeug und Büchern gefüllt, die auf dem nächsten Flohmarkt verkauft werden sollen und einen Haufen anderes Zeug will ich bei eBay reinstellen. Die Klamotten, in die die jüngeren Kinder noch reinwachsen können, sind übersichtlich eingelagert und ihre Schränke aufgeräumt. Im Zuge dieser Aktivitäten haben die beiden beschlossen, ihre Zimmer zu tauschen, was einerseits viele Probleme löst, andererseits aber für den nächsten Monat bereits die nächste Großaktion einläutet. Bis dahin habe ich mich hoffentlich wieder berappelt, denn das Geräume hat mich unverhältnismäßig angestrengt. Nicht nur wegen der Mühe, die schweren Kisten auf dem niedrigen, staubigen Dachboden hin und her zu wuchten, sondern auch wegen der vielen Erinnerungen an glücklichere oder doch zumindest hoffnungsvollere Jahre, die ich in ihnen wiedergefunden habe. Abends war ich so erschöpft, dass ich nicht mehr reden konnte.

Etwas Neues?
Wie heißt es so schön: Be careful what you wish for! Ich hatte vor, diese Aufgabe auf angenehme Weise zu lösen, indem ich meinen Sohn zum traditionellen Bogenschießen begleite und mir endlich eine Probestunde gönne. Nun ergab es sich aber, dass er zunächst jeden Sonntag anderweitig unterwegs war und mich zuletzt die eisigen Temperaturen abgeschreckt haben. Dafür hatte ich letzte Woche ganz überraschend die Gelegenheit, eine neue Erfahrung zu machen. Man kann nicht direkt sagen, dass sie mir in den Schoss gefallen wäre, es war eher so, dass sie mir ein Bein gestellt hat:

Wir sind in einer Wirtschaftsgemeinschaft (CSA) und das heißt, dass ich alle paar Wochen zu unserem Biobauernhof fahre und dort die Wochenration Lebensmittel für fünf Familien abhole. Wie so oft war meine kleine Tochter mit von der Partie und zu unser beider großen Freude haben wir uns im Auto von dem unnachahmlichen Harry Rowohlt das Buch „Der Wind in den Weiden“ vorlesen lassen. Als wir die erste Station unserer Tour erreicht hatten, wollte sie verständlicherweise die Geschichte weiter hören, statt zuzusehen, wie ihre Mutter draußen in der Kälte Milchprodukte nach Bestellzetteln auf Plastikboxen verteilt. Also habe ich den Motor ausgestellt, die Elektronik aber angelassen. Doch kaum war ich ausgestiegen, musste sie mal und dann war es ihr alleine im Wagen doch zu langweilig, sie wollte lieber helfen, so dass alles ein bisschen länger dauerte.
Als wir fertig waren und losfahren wollten, gab der Anlasser nur ein lustloses Grunzen von sich. Nach dem dritten Versuch führte kein Weg mehr an der Erkenntnis vorbei, dass die Batterie alle war. Das Handy übrigens auch, war ja klar. Zum Glück stand noch ein netter Nachbar vor der Meierei, der meine Lage bereits erkannt hatte und unter seinen Milchkisten ein Starthilfekabel fand. Ihr habt sicher schon erkannt, auf welche Pointe diese Geschichte hinaus läuft: Mein „erstes Mal“ in diesem Monat war die erste Starthilfe meines Lebens, die ich in Anspruch nehmen musste! Es klappte alles reibungslos und da ich auf dem nächsten Hof den Motor laufen ließ, während ich in Windeseile (und mit den eleganten neuen Handschuhen) Grobgemüse, Äpfel und Salat in Kisten und Brotlaibe in Stoffbeutel warf, verlief der Rest der Reise ohne weitere Zwischenfälle und wieder in Begleitung der samtigen Stimme von Harry Rowohlt, die meine aufgewühlten Nerven zu glätten vermochte.
Und im Februar gehe ich Bogenschießen. Ganz bestimmt.

Etwas Kreatives?
Die Entscheidung ist getroffen: Das Foto von meiner Hand wird das einzige auf meinem Blog bleiben. Zu Schreiben heißt für mich, meiner Stimme Raum zu geben und nachdem ich so viele Jahre geschwiegen habe, scheine ich viel Platz dafür zu brauchen. Aber ich habe angefangen, meine externen Schlafplätze zu fotografieren und auf Facebook zu posten. Vielleicht ist das ja für einige von euch ein Anlass, auf meiner Seite vorbei zu schauen und auf den „gefällt mir“-Button zu klicken, damit ich dreissig „Likes“ zusammen bekomme und Facebook die Statistik-Funktion aktiviert. Das würde mich freuen. Für die anderen poste ich die Bilder auch bei Twitter.

Wir sind eine grosse Familie und sie zu verpflegen, bedeutet für mich, drei mal am Tag mit möglichst wenig zeitlichem und finanziellem Aufwand unter Berücksichtigung sämtlicher Vorlieben und Unverträglichkeiten gesunde Mahlzeiten zuzubereiten. Extravaganz und Kreativität sind da ein Luxus, den ich manchmal vermisse und genau deshalb habe ich letztes Wochenende nach langer Zeit mal wieder ein neues Rezept ausprobiert: Lemon Meringue Pie. Der Herstellungsprozess war etwas holperig und von einer gewissen Anspannung überschattet, aber das Ergebnis (eine Tarte aus Mürbeteig, Zitronencreme und Baiser) durchaus lecker, recht ansehnlich und so sättigend, dass die Schokoladenkekse, die ich vorsorglich mit auf den Tisch gestellt hatte, nicht angerührt wurden.

Mein Fazit
Diese Blogparade ist ein gutes Hilfsmittel, um meine Zeit zu strukturieren und meine Ziele im Auge zu behalten. Es hat Spaß gemacht, mich immer wieder selber daran zu erinnern, was ich mir vorgenommen habe und beim Schreiben den besonderen Momenten noch einmal nach zu fühlen. Trotzdem möchte ich versuchen, mich beim nächsten Mal etwas kürzer zu fassen.