Bücherwelten

Dies ist mein erstes Blogstöckchen, denn da ich in diesen Dingen unerwartet altmodisch bin, habe ich hoffnungsvoll am Netzrand ausgeharrt, bis ich aufgefordert worden bin. Und dann kam heute Mittag, als ich verraschelt vom gestrigen Abend über dem Einkaufszettel brütete, eines angezwitschert, das mich besonders freut, weil es mir mit so viel Charme vom cuirhomme weitergereicht wurde und weil ich morgens im Bett schon Junas Antworten dazu gelesen hatte und mein Gedächtnis seitdem unermüdlich Erinnerungsschätze aus seinen Tiefen heraufbefördert hat, als hätte das kleine Holzstück eine Quelle angebohrt. Bücher sind die große Leidenschaft meiner Kindheit und Jugend gewesen und obwohl ich es manchmal bereue, meine Zeit mit ihren statt mit meinen eigenen Abenteuern gefüllt zu haben, war keine Minute davon verschwendet, denn viele Geschichten sind in mir nach wie vor so lebendig, als hätte ich sie selber erlebt.

Welches Buch liest du momentan?

Tschick von Wolfgang Herrndorf und Der Weg des Künstlers von Julia Cameron

Warum liest du das Buch? Was magst du daran?

Tschick hat mein Mann zum Geburtstag geschenkt bekommen und ich da ich es schon lange lesen wollte, habe ich es ihm gleich weggeschnappt. Die dichte, raue Sprache dieses Jugendromanes hat mich von der ersten Seite an den Ich-Erzähler gefesselt. Das fasziniert mich umso mehr, seit ich gelesen habe, dass Wolfgang Herrndorf, nachdem er von seiner tödlichen Krankheit erfuhr, jeden Tag ein Kapitel geschrieben hat. Das ist kaum zu glauben. Er wirft mich teilweise so unmittelbar in die Gefühlszustände meiner eigenen Jugend zurück, dass ich meine, mein altes Klassenzimmer vor mir sehen, das metallische Scharren der Stühle auf dem Linoleumboden hören und die zu Staub zerriebene Kreide riechen zu können.

Der Weg des Künstlers ist mir so oft empfohlen worden, dass ich an diesem Buch nicht mehr vorbei kam. Nun steckt das Lesezeichen seit Wochen hinter dem ersten Kapitel fest. Das ist kein gutes Zeichen.

Wurde dir als Kind vorgelesen? Kannst du dich an eine der Geschichten erinnern?

Mir wurde viel vorgelesen, auch nachdem ich (lange vor der Schule) selber lesen gelernt hatte und die meisten meiner zahlreichen Kinderbücher habe ich noch und lese sie meinen eigenen Kindern vor. Meine linksalternativen Eltern legten Wert auf eine klassische Bildung und Alltagsästhetik, daher sind viele schöne, gebundene Ausgaben z.B. von Astrid Lindgren und Erich Kästner darunter. Doch um meinen Bücherhunger zu stillen reichte das nicht und so ging ich schon früh alleine zur Leihbücherei des Arbeiterviertels, in dem ich aufgewachsen bin und wurde der Liebling der Bibliothekarinnen. In besonders intensiver Erinnerung habe ich aus früher Kindheit Der kleine Hävelmann sowie später Der kleine Hobbit, den mir meine Mutter vorlas, als ich während eines Urlaubes in Österreich krank wurde.

Gibt es einen Protagonisten oder eine Protagonistin, in den/ die du mal regelrecht verliebt warst?

Erstaunlicherweise nicht. Ich habe sicher zehnmal Die Brüder Löwenherz gelesen, mich aber wohl eher mit der Figur des Jonathan identifiziert, als dass ich mich in ihn verliebt hätte.

In welchem Buch würdest du gern leben wollen?

Das Paradies meiner Kindheit war das Kirschblütental in Nangijala aus Die Brüder Löwenherz. Das hat mich trotz aller Schrecken ungeheuer angezogen. Ich habe mir sogar zwei weiße Tauben (wie sie dort zum Transport von geheimen Nachrichten benutzt werden) gebastelt und an mein Fenster gehängt. Und heute? Manchmal wünsche ich mir, ich könnte die tägliche Hausarbeit im Handumdrehen erledigen wie Molly Weasley – daher am ehesten in der magischen Welt von Harry Potter!

Ein Lieblingssatz aus einem Buch?

„But you can’t always tell — with somebody’s mother, I mean. Mothers are all slightly insane.“
Aus: The Catcher in the Rye von J. D. Salinger

So, jetzt kommt das Schwierigste: Wem werfe ich das Stöckchen zu? Ich kenne ja noch kaum BloggerInnen persönlich. Und die, die ich toll finde, haben es entweder schon gehabt oder wissen nicht, wer ich bin… . Das ist jetzt wirklich knifflig. Ich versuche es mal mit der Herzmutter. Mütter haben doch angeblich immer Zeit für sowas!